Winterbienen
Warum die Weichen bereits eine Bienengeneration früher gestellt werden
Winterbienen sind die Grundlage für eine erfolgreiche Überwinterung. Während Sommerbienen meist nur wenige Wochen leben, können Winterbienen mehrere Monate alt werden. Sie müssen nicht nur den Winter überstehen, sondern im Frühjahr auch die erste neue Brut versorgen.
Ob sie dazu in der Lage sind, entscheidet sich bereits lange vor dem Winter – während ihrer Aufzucht.
Gute Winterbienen brauchen gesunde Ammenbienen
Eine entscheidende Rolle spielt die Generation davor. Die Ammenbienen produzieren den Futtersaft für die heranwachsenden Larven und benötigen dafür selbst eine gute Nährstoffversorgung.
Besonders wichtig ist Pollen als natürliche Eiweißquelle. Er liefert neben Proteinen auch Fette, Aminosäuren und weitere Nährstoffe. Dabei zählt nicht nur die Menge: Pollen verschiedener Pflanzen unterscheidet sich erheblich in seiner Zusammensetzung. Ein vielfältiges Pollenangebot ist deshalb besonders wertvoll.
Bei Pollenmangel kann Eiweißteig helfen
Im Spätsommer kann das natürliche Pollenangebot je nach Standort und Witterung knapp werden. Fehlt Pollen tatsächlich, kann Eiweißteig eine sinnvolle Ergänzung sein.
Er kann eine Versorgungslücke abmildern und die Ernährung der Ammenbienen unterstützen. Er sollte jedoch nicht einfach nach Kalender gegeben werden. Zunächst sollte beurteilt werden, ob genügend Pollen eingetragen wird und entsprechende Vorräte vorhanden sind.
Eine vielfältige natürliche Pollenversorgung bleibt die beste Grundlage.
Winterbienen legen Reserven an
Winterbienen unterscheiden sich physiologisch deutlich von Sommerbienen. Sie besitzen größere Protein- und Fettreserven und weisen insbesondere höhere Mengen des Speicherproteins Vitellogenin auf.
Diese Reserven stehen mit Langlebigkeit, Immunabwehr und Widerstandsfähigkeit gegenüber Stress in Zusammenhang. Sie ermöglichen es den Winterbienen außerdem, nach einer langen Phase ohne größere Polleneinträge im Frühjahr wieder mit der Versorgung der ersten Brut zu beginnen.
Varroa muss schon vorher im Griff sein
Eine gute Eiweißversorgung allein reicht allerdings nicht.
Die Varroabelastung sollte bereits bei der Ammenbienengeneration möglichst niedrig sein. Geschwächte Ammenbienen sind keine gute Voraussetzung für die Aufzucht langlebiger Winterbienen.
Noch wichtiger ist, dass die zukünftigen Winterbienen selbst möglichst unbelastet aufwachsen. Varroa und insbesondere das mit ihr eng verbundene Deformed Wing Virus (DWV) können die Lebenserwartung von Winterbienen deutlich reduzieren. Genau diese lange Lebensdauer wird aber benötigt, um die Zeit bis zur nächsten Bienengeneration zu überbrücken.
Nicht jede Herbstbiene ist automatisch eine Winterbiene
Die Umstellung von Sommer- auf Winterbienen erfolgt fließend. Es gibt keinen festen Tag, an dem ein Volk plötzlich Winterbienen produziert.
Mit abnehmender Brutpflege verändert sich auch die Physiologie der Arbeiterinnen. Sie verbrauchen weniger ihrer körpereigenen Reserven für die Brutpflege und können unter anderem mehr Vitellogenin einlagern. Genau diese Veränderungen tragen zur außergewöhnlichen Langlebigkeit der Winterbienen bei.
Die Winterbiene beginnt eine Generation früher
Wer starke Winterbienen möchte, sollte deshalb nicht erst auf die Bienen schauen, die im Herbst auf den Waben sitzen.
Entscheidend sind bereits die Wochen davor:
Gesunde Ammenbienen + gute Eiweißversorgung + niedrige Varroabelastung = gute Voraussetzungen für langlebige Winterbienen.
Die Vorbereitung auf den Winter beginnt damit nicht erst beim Einwintern des Volkes. Sie beginnt bereits bei der Generation, die unsere Winterbienen aufzieht.



