Wenn eine Durchsicht zwar sinnvoll ist, man aber den laufenden Trachtflug möglichst wenig stören möchte, kann es sinnvoll sein, die Kontrolle in die Abendstunden zu verlegen – also in den Zeitraum, in dem die Flugaktivität deutlich nachlässt oder weitgehend beendet ist.
Zwar hat diese Verlagerung auch einen klaren Nachteil: Am Abend sind mehr Flugbienen wieder zu Hause, das Volk ist voller, die Kiste wirkt dichter besetzt und die Wabengassen sind oft enger. Das kann die Arbeit etwas schwerer machen.
Trotzdem hat eine Abendkontrolle in bestimmten Situationen einen echten Vorteil: Der eigentliche Trachtflug des Tages ist dann weitgehend abgeschlossen. Der starke Eintrag wurde also nicht mitten in den produktivsten Stunden unterbrochen.
Gerade an Tagen, an denen die Waage einen sehr guten Eintrag zeigt, kann das ein vernünftiger Kompromiss sein. Das Volk konnte den Tag über sammeln, und die notwendige Kontrolle wird auf einen Zeitpunkt gelegt, an dem man nicht direkt in die stärkste Sammelphase eingreift.
Ein weiterer Vorteil kann sein, dass man am Abend das Tagesbild vollständiger vor sich hat. Alle Flugbienen sind zurück, das Volk ist in seiner tatsächlichen Tagesstärke vorhanden, und manche Einschätzungen zur Volksmasse oder zum Gesamteindruck fallen dann sogar realistischer aus als mitten im starken Flugbetrieb.
Natürlich ist auch die Abendkontrolle kein Freibrief für lange Eingriffe. Gerade weil dann viele Bienen zu Hause sind, sollte ruhig, zügig und mit klarem Ziel gearbeitet werden. Hektik, langes Suchen oder unnötiges Offenhalten der Beute sind dann eher noch ungünstiger.