Schwarmzeit
Nach Kältephase steigt die Schwarmgefahr
Warum starke Völker jetzt besondere Aufmerksamkeit brauchen
Dieser Artikel soll keine Panik machen. Starke Völker sind etwas Positives. Nach einer Kältephase lohnt es sich aber, vor dem nächsten warmen Flugtag gezielt auf Schwarmstimmung zu achten.
Nach einer Kältephase ist am Bienenstand oft weniger Flugaktivität zu sehen. Der Eintrag geht zurück, und von außen entsteht schnell der Eindruck, als hätten die Völker eine Entwicklungspause eingelegt.
Im Inneren kann aber genau das Gegenteil passieren: Starke Völker entwickeln sich weiter, junge Bienen schlüpfen, die Bienenmasse nimmt zu, und der Platz im Brutraum wird enger.
Gerade deshalb kann die Zeit direkt nach einer kühlen Wetterphase kritisch werden. Wenn anschließend wieder sonniges, warmes Wetter kommt, kann ein starkes Volk sehr schnell in Schwarmstimmung kippen.
Es ist dann nicht die Kälte allein, die den Schwarmtrieb auslöst, sondern die Kombination aus vorhandener Volksstärke, enger werdendem Brutraum, vielen jungen Bienen und dem plötzlichen Wetterumschwung.
In 60 Sekunden
- Starke Völker sind positiv, brauchen nach Kältephasen aber Aufmerksamkeit
- Von außen wirkt das Volk oft ruhig, innen kann es weiter wachsen
- Viele junge Bienen, enger Brutraum und Wetterumschwung erhöhen den Druck
- Königinnen älter als ein Jahr sollten besonders beobachtet werden
- Der Tag vor dem nächsten warmen Flugtag ist ideal für eine gezielte Schwarmkontrolle
Warum die Schwarmgefahr nach kühlen Tagen steigen kann
Während kühler oder wechselhafter Tage bleiben viele Flugbienen länger im Stock. Gleichzeitig schlüpfen weiterhin junge Bienen. Das Volk wird voller, auch wenn man von außen weniger Aktivität sieht.
Wenn dann noch viel Brut vorhanden ist und der Brutraum gut besetzt ist, entsteht schnell ein innerer Druck.
Dazu kommt: Wenn der Nektareintrag vor der Kältephase gut war, können Brutnestbereiche verhonigen oder der Brutraum wird enger. Die Königin findet weniger freie Zellen zum Legen, junge Pflegebienen haben viel Energie, und das Volk kommt leichter in eine Schwarmdynamik.
Von außen ist diese Entwicklung oft schwer zu erkennen. Durch die kühle Witterung ist weniger Flugbetrieb zu sehen, obwohl im Volk weiter Brut schlüpft, Bienenmasse entsteht und der Platz im Brutraum knapper werden kann.
Sobald dann ein warmer, sonniger Tag kommt, wird diese innere Entwicklung plötzlich sichtbar.
Besonders im Blick: Königinnen älter als ein Jahr
Bei Königinnen, die älter als ein Jahr sind, sollte man besonders aufmerksam sein. Das bedeutet nicht, dass solche Völker automatisch schwärmen. Aber die Wahrscheinlichkeit ist erhöht.
Ältere Königinnen steuern das Volk oft nicht mehr ganz so stark wie junge Königinnen. Bei sehr großen, starken Völkern kann das Signal der Königin im Volk schlechter verteilt werden.
Dadurch kann Schwarmstimmung leichter entstehen, besonders wenn zusätzlich Platzmangel, viele junge Bienen und gutes Wetter zusammenkommen.
Deshalb lohnt sich bei zweijährigen oder älteren Königinnen nach einer Kältephase ein besonders genauer Blick. Nicht aus Angst, sondern aus guter imkerlicher Vorsorge.
Wann Schwärme meistens abgehen
Schwärme gehen in der Regel nicht bei kaltem Regenwetter, starkem Wind oder dauerhaft niedrigen Temperaturen ab. Meist warten die Völker auf ein passendes Wetterfenster.
Typisch sind milde bis warme Temperaturen, sonniges oder zumindest freundliches Wetter, wenig Wind, trockene Witterung und eine stabile Wetterbesserung nach mehreren schlechten Tagen.
Häufig gehen Schwärme am späten Vormittag, um die Mittagszeit oder am frühen Nachmittag ab. Genau dann ist das Flugwetter günstig, die Temperatur passt, und das Volk kann mit einem großen Teil der Bienenmasse ausziehen.
Besonders kritisch ist oft der erste schöne Tag nach einer Schlechtwetterphase. Wenn ein Volk innerlich bereits vorbereitet ist, kann dieser erste gute Flugtag der Moment sein, in dem der Schwarm tatsächlich abgeht.
Einen Tag vorher kontrollieren kann entscheidend sein
Wenn absehbar ist, dass nach kühlen Tagen wieder ein sonniger, warmer Tag kommt, ist der Tag davor oft ein sinnvoller Zeitpunkt für eine gezielte Schwarmkontrolle.
Es geht dabei nicht darum, jedes Volk unnötig lange zu öffnen. Es geht um einen klaren, ruhigen Blick auf die entscheidenden Zeichen.
Wichtige Kontrollfragen:
- Sind nur trockene Spielnäpfchen vorhanden?
- Sind Näpfchen bestiftet?
- Sind Larven mit Futtersaft in Weiselzellen zu sehen?
- Gibt es bereits verdeckelte Schwarmzellen?
- Ist der Brutraum sehr voll?
- Hat die Königin noch Platz zum Legen?
- Wird der Honigraum angenommen?
- Hängen sehr viele junge Bienen im Brutraum?
Trockene Spielnäpfchen allein sind noch kein Grund zur Aufregung. Bestiftete Näpfchen oder Larven in Futtersaft zeigen dagegen, dass das Volk bereits konkreter in Richtung Schwarmstimmung geht.
Verdeckelte Schwarmzellen sind ein deutliches Warnsignal, denn dann kann der Schwarmabgang sehr kurz bevorstehen oder bereits erfolgt sein.
Nicht jedes starke Volk ist ein Problem
Es wäre falsch, jedes starke Volk sofort als Schwarmkandidaten zu behandeln. Stärke ist die Grundlage für gute Entwicklung und Ertrag.
Entscheidend ist, ob die Stärke noch geordnet ist oder ob sie sich bereits staut.
Ein starkes Volk mit genügend Platz, guter Honigraumannahme, offener Brut, junger Königin und ohne bestiftete Schwarmzellen kann völlig unproblematisch sein.
Ein starkes Volk mit älterer Königin, engem Brutraum, vielen jungen Bienen und bestifteten Weiselzellen ist dagegen deutlich kritischer.
Die Kunst liegt also nicht darin, aus Vorsicht überall massiv einzugreifen. Die Kunst liegt darin, rechtzeitig zu erkennen, welche Völker wirklich in Schwarmstimmung kommen.
Fazit
Nach einer Kältephase steigt bei starken Völkern die Schwarmgefahr oft deutlich an. Das Volk wirkt von außen vielleicht noch unauffällig, aber im Inneren kann die Entwicklung weitergelaufen sein.
Viele junge Bienen, wenig Platz, eine ältere Königin und ein plötzliches Schönwetterfenster können dann zusammen dafür sorgen, dass die Schwarmstimmung schnell ernst wird.
Deshalb gilt: keine Panik, aber aufmerksam bleiben. Besonders starke Völker und Völker mit Königinnen, die älter als ein Jahr sind, sollten vor dem nächsten warmen, sonnigen Tag noch einmal gezielt auf Schwarmstimmung kontrolliert werden.
Wer einen Tag vor dem Wetterumschwung nachsieht, hat oft noch die Möglichkeit, ruhig und planvoll zu reagieren. Wer erst am ersten schönen Tag mittags hinschaut, sieht den Schwarm vielleicht schon im Baum hängen.
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