Honigraum erweitern
Honigraum rechtzeitig erweitern
Warum ab dem zweiten Honigraum nicht gewartet werden darf
Der erste Honigraum ist im Frühjahr noch etwas anders zu betrachten. Hier muss man genauer auf Volksstärke, Wetter und Entwicklung achten. Ein schwaches Volk kann mit zu viel Raum überfordert sein. Es geht um den richtigen Zeitpunkt: Ist genug Bienenmasse vorhanden? Wird der Raum angenommen? Passt das Wetter? Kommt Tracht herein?
Ab dem zweiten Honigraum ist die Lage meist anders. Dann ist die Bienenmasse vorhanden, die Brut läuft stabil, und zusätzlicher Raum ist für ein starkes Volk nicht mehr so kritisch.
In 60 Sekunden
- Ab dem zweiten Honigraum ist zu wenig Platz oft kritischer als zu viel Raum.
- Nektar braucht freie Wabenfläche zum Umlagern und Trocknen.
- Bei 30 bis 50 Prozent Füllung oder guter Besetzung sollte erweitert werden.
- Ob aufsetzen oder untersetzen, hängt von Volk, Linie und Tracht ab.
- Zu spätes Erweitern kann Brutnest, Honigleistung und Schwarmstimmung beeinflussen.
Der häufige Fehler: zu lange warten
Bei laufender Tracht ist ab dem zweiten Honigraum nicht zu viel Raum das Hauptproblem, sondern eher zu wenig Platz. Genau hier entsteht einer der häufigsten Fehler in der Honigsaison: Man wartet zu lange, obwohl das Volk längst erweitert werden müsste.
Gerade bei Anfängern liegt das Problem oft nicht am Volk, sondern am fehlenden Platz. Das Volk ist stark, die Brut läuft, die Bienenmasse stimmt, aber der Honigraum wird zu spät erweitert.
Nektar ist noch kein Honig
Wenn ein Volk den ersten Honigraum gut annimmt und Tracht herrscht, kann in kurzer Zeit sehr viel Nektar eingetragen werden. Dann braucht das Volk Platz, nicht erst dann, wenn der Honigraum voll ist, sondern deutlich früher.
Der wichtige Punkt ist: Nektar ist noch kein Honig. Frischer Nektar enthält viel Wasser und muss von den Bienen erst bearbeitet, umgetragen und getrocknet werden.
Dafür brauchen die Bienen freie Wabenfläche. Ein Honigraum, der für den Imker noch nicht voll aussieht, kann für die Bienen bereits zu eng werden, wenn täglich neuer Nektar eingetragen wird.
Wann sollte der nächste Honigraum gegeben werden?
Der nächste Honigraum sollte nicht erst aufgesetzt werden, wenn der oberste Honigraum fast voll oder schon verdeckelt ist. Bei starken Völkern und laufender Tracht ist das oft zu spät.
Praktische Regel:
- Sobald der oberste Honigraum etwa zu 30 bis 50 Prozent gefüllt ist,
- und gut mit Bienen besetzt ist,
- und weiter Tracht zu erwarten ist,
dann sollte der nächste Honigraum aufgesetzt werden.
Spätestens wenn der Raum deutlich über die Hälfte hinaus gefüllt ist, sollte man nicht mehr lange warten.
Aufsetzen oder untersetzen?
Wichtig ist auch die Frage, ob man den neuen Honigraum oben aufsetzt oder unter den bereits angenommenen Honigraum setzt.
Das hängt nicht nur vom Beutensystem und der Tracht ab, sondern auch vom Verhalten der Bienen, von der Rasse und von der jeweiligen Zuchtlinie.
Buckfast: häufig problemloses Aufsetzen
Bei vielen Buckfast Linien funktioniert das Aufsetzen eines weiteren Honigraums sehr gut. Diese Völker gehen bei ausreichender Stärke und Tracht oft zügig nach oben und nehmen zusätzlichen Raum gut an.
Hier kann es sinnvoll sein, den nächsten Honigraum einfach über den bereits angenommenen Honigraum zu setzen.
Carnica: oft brutnestnah erweitern
Bei Carnica-Völkern wird dagegen häufig eher brutnestnahes Erweitern bevorzugt.
Das bedeutet: Der neue Honigraum wird näher an das Brutnest gebracht, also unter den bereits angetragenen Honigraum gesetzt. Dadurch liegt der frische Raum direkter im Arbeitsbereich der Bienen und wird oft schneller angenommen.
Landrassen und gemischte Linien beobachten
Bei Landrassen oder gemischten Linien lässt sich keine feste Regel ableiten. Hier sollte man beobachten, wie das eigene Volk arbeitet.
Manche Völker gehen problemlos nach oben, andere nehmen einen neuen Raum besser an, wenn er brutnestnah gegeben wird.
Entscheidend ist das Verhalten am eigenen Stand:
- Wo sitzen die Bienen?
- Wo wird gebaut?
- Wo wird Nektar eingetragen?
- Wird der neue Raum angenommen oder bleibt er leer?
Keine starre Regel daraus machen
Aus „Buckfast eher aufsetzen, Carnica eher untersetzen“ sollte keine starre Vorschrift gemacht werden. Es ist eine praktische Orientierung, keine feste Regel. Die beste Entscheidung trifft man, wenn man die eigene Linie, die Volksstärke, das Wetter und die Tracht zusammen betrachtet.
Was passiert, wenn zu spät erweitert wird?
Wer zu spät erweitert, schafft einen Engpass. Die Sammlerinnen bringen Nektar, aber es fehlt freier Lagerplatz.
Dann wird der Nektar oft dort abgelegt, wo er eigentlich nicht hingehört: im Brutraum, an den Randwaben oder in Bereichen, die für die Brutentwicklung wichtig wären.
Dadurch kann das Brutnest eingeengt werden. Die Königin findet weniger freie Zellen zum Legen, das Volk wird unruhiger, und der Schwarmdruck kann steigen.
Starke Völker nicht ausbremsen
Gerade bei starken Völkern ist zu spätes Erweitern ärgerlich. Diese Völker haben eigentlich die Kraft, viel Honig einzutragen.
Wenn aber der Platz fehlt, wird ihre Leistung ausgebremst. Das Volk arbeitet nicht schlechter, weil es nicht stark genug wäre, sondern weil der Imker den Raum zu spät gegeben hat.
Genug Material vor der Tracht vorbereiten
Ein weiterer häufiger Anfängerfehler liegt in der Grundausstattung. Viele kaufen am Anfang eine Beute mit zu wenig Zargen.
Oft besteht die Ausstattung nur aus einem Brutraum und zwei Honigräumen oder insgesamt drei Zargen. Das wirkt zunächst ausreichend, ist es aber bei guten Völkern und starker Tracht oft nicht.
Wenn der zweite Honigraum voll wird und kein dritter vorbereitet ist, kommt man automatisch zu spät. Dann muss erst Material gesucht, bestellt, gebaut oder vorbereitet werden.
In dieser Zeit läuft die Tracht weiter, und das Volk hat keinen ausreichenden Platz.
Mit mehr als zwei Honigräumen rechnen
Für gute Wirtschaftsvölker sollte man nicht nur mit zwei Honigräumen rechnen. Je nach Region, Tracht und Volksstärke kann ein dritter, vierter oder fünfter Honigraum schnell notwendig werden.
Besonders bei Raps, Robinie, Linde oder einer starken Tracht kann ein Volk in wenigen Tagen deutlich zulegen.
Wer dann erst reagiert, wenn alles voll ist, hat den richtigen Zeitpunkt meist schon verpasst.
Rechtzeitig erweitern statt blind erweitern
Das bedeutet nicht, dass man wahllos viele leere Zargen aufsetzen soll. Es geht nicht um blindes Erweitern, sondern um rechtzeitiges Erweitern.
Der oberste Honigraum sollte regelmäßig kontrolliert werden.
Wichtige Fragen sind:
- Sind viele Bienen im Raum?
- Wird frischer Nektar eingetragen?
- Werden Waben ausgebaut?
- Nimmt das Gewicht deutlich zu?
- Ist weiter gutes Trachtwetter angesagt?
Wenn diese Punkte zusammenkommen, sollte der nächste Honigraum gegeben werden.
Die einfache Praxisregel
Ab der zweiten Honigraumgabe nicht warten, bis der erste voll ist.
Wenn der oberste Honigraum etwa zu 30 bis 50 Prozent gefüllt oder gut angenommen ist und weiter Tracht läuft, sollte der nächste Honigraum aufgesetzt oder brutnestnah untergesetzt werden. Das geht immer so weiter … es muß immer freier Raum für Nektar vorhanden sein.
Welche Variante besser passt, hängt vom Volk, der Linie und dem Verhalten am eigenen Stand ab.
Fazit
Ein Honigraum wird nicht nur für fertigen Honig gebraucht, sondern vor allem für frischen Nektar, der erst noch trocknen muss.
Wer rechtzeitig erweitert, verhindert Platzmangel, entlastet das Brutnest und nutzt die Leistung starker Völker besser aus.
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