Schwarmzeit
Volk abgeschwärmt – kein Honig mehr? .. Nicht unbedingt
So kann eine Rückvereinigung die Tracht noch retten
Wenn ein starkes Wirtschaftsvolk während der Tracht abschwärmt, ist der erste Gedanke oft: Das war es mit dem Honig. Ein großer Teil der Bienenmasse ist weg, im Muttervolk herrscht Unruhe, und die laufende Tracht geht weiter, während das Volk sich neu sortieren muss.
Ganz so endgültig muss es aber nicht sein. Wenn der Schwarm eingefangen wurde und sicher zum eigenen Volk gehört, kann man ihn wieder mit dem Muttervolk vereinen.
Dabei geht es nicht um Vermehrung, sondern um ein klares Ziel: Die verlorene Sammelstärke soll möglichst schnell wieder zurück ins Wirtschaftsvolk, damit die laufende oder kommende Tracht noch genutzt werden kann.
Wichtig ist dabei: Der Schwarm wird nicht einfach planlos zurückgeschüttet. Vorher muss klar sein, welches Ziel man verfolgt und welche Königin bleiben soll. Genau diese Entscheidung bestimmt die richtige Methode.
In 60 Sekunden
- Ein abgeschwärmtes Volk bedeutet nicht automatisch das Ende der Honigernte
- Ein eingefangener eigener Schwarm kann mit dem Muttervolk rückvereinigt werden
- Entscheidend ist, welche Königin bleiben soll
- Für schnelle Trachtnutzung ist die alte Königin oft im Vorteil
- Für langfristige Erneuerung kann eine junge Königin sinnvoller sein
- Ohne Schwarmzellenkontrolle und ausreichend Honigraum bleibt das Risiko bestehen
Die wichtigste Frage: Was will ich erreichen?
Bevor man handelt, sollte man kurz innehalten. Nach einem Schwarmereignis kann man vieles machen, aber nicht alles passt zum gleichen Ziel.
Wenn man vermehren möchte, kann der Schwarm separat eingeschlagen werden. Dann entstehen aus einem Volk zwei Einheiten. Das kann sinnvoll sein, kostet aber in der laufenden Tracht Leistung. Der Schwarm baut neu auf, das Muttervolk ist geschwächt, und beide Einheiten brauchen Zeit.
Wenn es aber darum geht, die Tracht noch auszunutzen, sieht die Entscheidung anders aus. Dann ist eine Rückvereinigung oft sinnvoller. Aus Schwarm und Muttervolk soll wieder ein starkes Wirtschaftsvolk werden.
Die Bienenmasse kommt zurück, die Honigräume werden wieder besser besetzt, und das Volk kann Nektar besser eintragen, umlagern, trocknen und verdeckeln.
Die Rückvereinigung ist besonders interessant, wenn gerade eine gute Tracht läuft, wenn eine wichtige Tracht unmittelbar bevorsteht, wenn der Schwarm sicher aus dem eigenen Volk stammt und wenn man kein zusätzliches Volk aufbauen möchte.
Weniger sinnvoll ist sie, wenn die Tracht bereits vorbei ist, wenn man bewusst vermehren möchte, wenn das Muttervolk krank oder auffällig ist oder wenn man nicht sicher weiß, woher der Schwarm stammt.
Entscheidend ist die Königinnenfrage
Bei einem Vorschwarm sitzt meistens die alte Königin im Schwarm. Im Muttervolk bleiben Brut, Bienen und Schwarmzellen zurück. Daraus können junge Königinnen schlüpfen.
Damit steht man vor der eigentlichen Entscheidung:
- Soll die alte Königin aus dem Schwarm zurück ins Volk?
- Oder soll das Muttervolk mit einer jungen Königin weitergeführt werden?
Für die aktuelle Tracht spricht meist viel dafür, die alte Königin zunächst zu behalten. Sie ist bereits begattet, das Volk ist sofort wieder weiselrichtig, und die Einheit kann schneller geordnet weiterarbeiten. Das ist für die Trachtnutzung ein großer Vorteil.
Der Nachteil ist aber: Diese Königin ist gerade abgeschwärmt. Das Volk hatte also Schwarmstimmung. Wenn man nur die Bienen zurückgibt, aber die Schwarmzellen im Muttervolk übersieht, kann das Volk erneut schwärmen. Deshalb muss man bei dieser Methode sehr sauber arbeiten.
Wenn die alte Königin schon sehr alt ist, schlecht legt oder das Volk stark zur Schwarmstimmung neigt, kann es sinnvoll sein, die alte Königin nicht weiterzuführen. Dann gibt man nur die Bienenmasse zurück und lässt das Muttervolk mit einer jungen Königin weiterlaufen.
Diese Methode ist langfristig oft interessanter, kostet aber kurzfristig Zeit, weil die junge Königin erst schlüpfen, begattet werden und in Eilage gehen muss. Für die reine Trachtnutzung ist sie deshalb die langsamere Variante.
Methode 1: Schwarm mit alter Königin zurückgeben
Diese Methode passt, wenn die laufende Tracht im Vordergrund steht und die alte Königin weiter genutzt werden soll.
Sie ist sinnvoll, wenn der Schwarm sicher aus dem eigenen Volk stammt, die alte Königin im Schwarm vorhanden ist, das Muttervolk grundsätzlich gesund ist und die laufende Tracht noch genutzt werden soll.
Sie ist besonders dann passend, wenn man schnell wieder ein starkes Wirtschaftsvolk haben möchte. Das Ziel ist: alte Königin zurück, Bienenmasse zurück, Schwarmzellen raus, Honigraum drauf, Tracht weiter nutzen.
Schritt 1: Schwarm sichern
Der eingefangene Schwarm wird zunächst ruhig, schattig und gut belüftet untergebracht. Er sollte nicht in der Sonne stehen und nicht überhitzen. Ideal ist eine Schwarmkiste oder eine leere Beute mit guter Belüftung.
Wichtig ist: Der Schwarm sollte möglichst eindeutig dem abgeschwärmten Volk zugeordnet werden können. Bei einem fremden Schwarm unbekannter Herkunft sollte man ihn nicht einfach mit einem bestehenden Wirtschaftsvolk vereinigen.
Schritt 2: Muttervolk kontrollieren
Jetzt wird das abgeschwärmte Muttervolk geöffnet. Dabei geht es nicht um eine lange Durchsicht, sondern um eine gezielte Kontrolle.
Wichtig sind vor allem die Schwarmzellen. Wenn die alte Königin aus dem Schwarm zurück ins Volk soll, dürfen im Muttervolk keine schlupfreifen Schwarmzellen stehen bleiben. Sonst besteht die Gefahr, dass kurze Zeit später wieder ein Nachschwarm abgeht.
Deshalb werden die Waben sorgfältig durchgesehen. Schwarmzellen werden entfernt. Dabei muss man gründlich arbeiten, besonders an Wabenrändern, Unterkanten und verdeckten Stellen.
Schritt 3: Honigraum prüfen
Vor der Rückvereinigung muss der Platz stimmen. Ein Volk ist nicht ohne Grund geschwärmt. Oft spielen Enge, volle Honigräume, starker Bautrieb und Schwarmstimmung zusammen.
Wenn der Honigraum bereits gut besetzt oder teilweise gefüllt ist, sollte direkt erweitert werden. Der zurückgegebene Schwarm bringt wieder viele Bienen zurück. Diese Bienen brauchen sofort Arbeit und Raum.
Der wichtigste Gedanke lautet: Die Bienenmasse darf nicht zurück in eine enge Situation kommen.
Schritt 4: Zeitungspapier auflegen
Auf den Brutraum des Muttervolkes wird eine Lage Zeitungspapier oder dünnes Papier gelegt. Das Papier kann leicht angefeuchtet und mit ein paar kleinen Schlitzen versehen werden.
Darauf kommt eine leere Zarge. In diese Zarge wird der eingefangene Schwarm eingeschlagen.
Der Aufbau kann zum Beispiel so aussehen:
Brutraum Muttervolk – Zeitungspapier – leere Zarge mit Schwarm – Absperrgitter – Honigräume
Nach der Vereinigung wird die zusätzliche leere Zarge wieder entfernt und das Volk normal eingeengt beziehungsweise geordnet.
Schritt 5: Schwarm einschlagen
Der Schwarm wird in die leere Zarge über dem Muttervolk gegeben. Durch das Papier treffen beide Einheiten nicht sofort hart aufeinander. Die Bienen fressen sich langsam durch und nehmen nach und nach einen gemeinsamen Stockgeruch an.
Das ist ruhiger und sicherer, als den Schwarm direkt in das Muttervolk zu kippen.
Schritt 6: Nach zwei bis drei Tagen kontrollieren
Nach wenigen Tagen wird vorsichtig geprüft, ob die Vereinigung funktioniert hat. Papierreste können entfernt werden. Die zusätzliche Zarge wird wieder herausgenommen, wenn sie nicht mehr gebraucht wird.
Dabei sollten die Bienen in den Brutraum abgestoßen oder abgekehrt werden. Danach kommt das Absperrgitter wieder direkt auf den Brutraum, und die Honigräume werden passend aufgesetzt.
Schritt 7: Nicht zu lange stören
Nach der Vereinigung sollte man dem Volk etwas Ruhe geben. Entscheidend ist jetzt, dass es wieder arbeitet. Eine große Durchsicht direkt am nächsten Tag bringt meist mehr Unruhe als Nutzen.
Wichtig ist in den folgenden Tagen vor allem: Wird der Honigraum besetzt? Ist genug Platz vorhanden? Sitzt das Volk ruhig? Gibt es erneut Schwarmanzeichen?
Vorteil dieser Methode: Die alte Königin ist begattet, die Bienenmasse ist zurück, und das Volk kann relativ schnell wieder als Sammeleinheit arbeiten.
Nachteil dieser Methode: Die alte Schwarmneigung ist nicht automatisch verschwunden. Wenn Schwarmzellen übersehen wurden oder wieder Enge entsteht, kann das Volk erneut in Schwarmstimmung kommen.
Methode 2: Bienenmasse zurückgeben, aber alte Königin entfernen
Diese Methode passt, wenn man die Sammelstärke retten möchte, aber die alte Königin nicht weiterführen will.
Sie ist sinnvoll, wenn die alte Königin bereits älter ist, wenn das Volk stark zur Schwarmstimmung neigt, wenn man eine junge Königin aus dem Muttervolk behalten möchte oder wenn man langfristig eine bessere Entwicklung erwartet.
Für die aktuelle Tracht ist diese Methode etwas schwächer als Methode 1, weil die junge Königin erst in Eilage kommen muss. Trotzdem bringt sie die Bienenmasse zurück und kann helfen, die Honigräume weiter zu nutzen.
Das Ziel lautet hier: Die Arbeitsbienen des Schwarms zurückholen, aber die alte Königin nicht behalten.
Schritt 1: Schwarm sichern
Auch hier wird der eingefangene Schwarm zuerst ruhig und schattig untergebracht. Er sollte nicht überhitzen und nicht unnötig lange herumstehen.
Schritt 2: Alte Königin im Schwarm finden
Jetzt muss die Königin im Schwarm gefunden werden. Das ist manchmal einfach, manchmal mühsam.
Hilfreich kann sein, den Schwarm portionsweise über ein Absperrgitter in eine leere Zarge laufen zu lassen. Die Arbeiterinnen gehen durch, die Königin bleibt am Gitter hängen oder wird leichter sichtbar. Sie kann dann entnommen oder gekäfigt werden.
Erst wenn die alte Königin sicher entfernt ist, sollte man mit dieser Methode weitermachen.
Schritt 3: Muttervolk auf Schwarmzellen kontrollieren
Im Muttervolk werden die Schwarmzellen geprüft. Jetzt werden nicht alle Zellen entfernt. Stattdessen wählt man eine gute, passende Weiselzelle aus, aus der die neue Königin entstehen soll.
Alle anderen Schwarmzellen werden entfernt, damit keine Nachschwärme entstehen.
Dieser Schritt muss sehr sorgfältig erfolgen. Mehrere stehen gelassene Schwarmzellen erhöhen die Gefahr, dass das Volk erneut schwärmt. Gar keine geeignete Zelle zu lassen, kann dagegen zur Weisellosigkeit führen.
Schritt 4: Honigräume und Platz prüfen
Auch bei dieser Methode muss der Raum stimmen. Die zurückgegebenen Bienen sollen nicht wieder Enge erzeugen, sondern in den Honigraum gelenkt werden.
Wenn der Honigraum gut besetzt ist, wird erweitert. Gerade nach der Rückgabe des Schwarms kann der Druck im Volk wieder steigen. Deshalb sollte man nicht zu knapp arbeiten.
Schritt 5: Königinlosen Schwarm über Zeitung aufsetzen
Jetzt wird der entweiselte Schwarm mit dem Muttervolk vereinigt.
Der Aufbau ist ähnlich wie bei Methode 1:
Brutraum Muttervolk mit ausgewählter Weiselzelle – Zeitungspapier – leere Zarge mit entweiseltem Schwarm – Absperrgitter – Honigräume
Die Bienen fressen sich langsam durch das Papier und vereinigen sich mit dem Muttervolk. Da der Schwarm keine alte Königin mehr hat, gibt es weniger Konkurrenz zur jungen Königin im Muttervolk.
Schritt 6: Nach wenigen Tagen Zarge entfernen
Nach zwei bis drei Tagen wird vorsichtig kontrolliert. Die Papierreste werden entfernt, die zusätzliche Zarge wird aufgelöst, und die Bienen werden dem Brutraum beziehungsweise dem Volk zugegeben.
Die Honigräume bleiben passend aufgesetzt.
Schritt 7: Geduld bei der jungen Königin
Jetzt darf man nicht zu früh nervös werden. Wenn das Muttervolk mit einer jungen Königin weitergehen soll, dauert es, bis wieder frische Eier zu sehen sind.
Die Königin muss schlüpfen, aushärten, zum Begattungsflug ausfliegen und anschließend in Eilage gehen. In dieser Zeit ist das Volk zwar mit Bienenmasse verstärkt, aber es hat vorübergehend keine legende Königin.
Vorteil dieser Methode: Die alte Schwarmkönigin wird nicht weitergeführt, und das Volk bekommt die Chance auf eine junge Königin. Gleichzeitig geht die Bienenmasse des Schwarms nicht verloren, sondern wird wieder dem Wirtschaftsvolk zugeführt.
Nachteil dieser Methode: Für die laufende Tracht ist eine Brutpause und eine noch nicht legende Königin nicht ideal. Das Volk kann zwar weiter sammeln, aber die innere Ordnung ist nicht so schnell wiederhergestellt wie bei einer begatteten alten Königin.
Welche Methode ist die richtige?
Wenn es hauptsächlich darum geht, die aktuelle Tracht zu nutzen, ist Methode 1 meist die stärkere Lösung. Die alte Königin bleibt, das Volk ist schneller wieder weiselrichtig, und die zurückgegebene Bienenmasse kann rascher als Sammeleinheit arbeiten.
Wenn die alte Königin aber nicht mehr gewünscht ist, sehr alt ist oder das Volk besonders stark zur Schwarmstimmung neigt, kann Methode 2 sinnvoller sein. Dann verliert man zwar etwas Tempo, hat aber die Chance auf eine junge Königin und eine bessere weitere Entwicklung.
Man kann es vereinfacht so sagen:
- Für schnelle Trachtnutzung: alte Königin behalten und Schwarm zurückgeben.
- Für Königinnenwechsel: alte Königin entfernen und nur die Bienenmasse zurückgeben.
In beiden Fällen gilt: Ohne Schwarmzellenkontrolle und ohne passenden Honigraum ist die Maßnahme nicht vollständig.
Was man auf keinen Fall machen sollte
Man sollte den Schwarm nicht einfach zurück in die Beute werfen, ohne das Muttervolk zu kontrollieren. Das löst das Schwarmproblem nicht zuverlässig.
Man sollte auch nicht alle Schwarmzellen entfernen, wenn man nicht sicher weiß, dass eine gute Königin vorhanden ist. Sonst kann das Volk plötzlich ohne Königin dastehen.
Und man sollte nicht vergessen, dass ein zurückgegebener Schwarm wieder Platz braucht. Wer die Bienenmasse zurückholt, aber keinen Honigraum gibt, erzeugt schnell wieder Druck im Volk.
Fazit
Ein abgeschwärmtes Volk bedeutet nicht automatisch, dass die Honigernte verloren ist. Wenn der Schwarm eingefangen wurde und sicher zum eigenen Volk gehört, kann eine Rückvereinigung helfen, die Tracht noch zu nutzen.
Dabei entscheidet die Königinnenfrage über die Methode. Soll es schnell gehen und die laufende Tracht steht im Vordergrund, bleibt meist die alte Königin im Spiel. Soll dagegen eine junge Königin nachgezogen werden, wird die alte Königin entfernt und nur die Bienenmasse zurückgegeben.
In beiden Fällen ist das Ziel gleich: Aus Schwarm und Muttervolk soll wieder eine starke Einheit werden. Nicht zur Vermehrung, sondern um die vorhandene Tracht nicht unnötig zu verschenken.
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