Flugbetrieb im Frühjahr kann täuschen

Bienen am Flugloch

Praxiswissen Frühjahr

Vorsicht am Flugloch: Flugbetrieb im Frühjahr kann täuschen

Auch ein bereits totes Volk kann zeitweise „lebendig“ wirken – intensive Räuberei ist häufig die Ursache für den Flugbetrieb.

Im zeitigen Frühjahr täuscht der Blick auf das Flugloch besonders häufig. An den ersten warmen Tagen mit Sonnenschein setzt der Reinigungsflug ein, und vielerorts herrscht plötzlich reger Flugbetrieb. Schnell entsteht der Eindruck, das Volk habe den Winter überlebt. In der Praxis zeigt sich jedoch immer wieder: Auch ein bereits totes oder zusammengebrochenes Volk kann in dieser Phase „lebendig“ wirken. Der Grund dafür ist meist nicht eigenes Leben im Stock, sondern intensive Räuberei durch Nachbarvölker.

Räuberei sicher erkennen:

  • Schmutziges und verklebtes Flugloch
  • kein Polleneintrag
  • hektische Bewegungen, schnelles ein- und ausfliegen
  • oft Kämpfe zu beobachten

Im Frühjahr sind tote oder stark geschwächte Völker besonders attraktiv für Räuber. Häufig ist noch Futter vorhanden, das von fremden Bienen systematisch abgetragen wird. Dieser Vorgang kann über Stunden oder Tage anhalten und erzeugt einen auffälligen Flugverkehr genau an der falschen Beute. Für den ungeübten Beobachter ist kaum zu unterscheiden, ob es sich um ein lebendes Volk oder um ein bereits ausgeräumtes handelt – wenn man sich allein auf die Flugbewegung verlässt.

In 60 Sekunden

  • Flugbetrieb täuscht: Räuberei kann ein totes Volk aktiv erscheinen lassen.
  • Warnzeichen: verschmierte Fluglöcher, Wachskrümel, hektischer Flugverkehr.
  • Gewicht prüfen: ungewöhnlich leichte Beute trotz Flugverkehr ist verdächtig.
  • Schnell handeln: Räuberei begrenzen, Volkstatus kontrollieren, Flugloch verschließen und tote Völker zeitnah abräumen.
  • Standhygiene schützt: verhindert Krankheitsverschleppung und weitere Räuberei.
Typische Anzeichen für Räuberei

Ein sehr verlässliches Warnsignal sind verschmierte oder verklebte Fluglöcher. Beim Ausräubern werden Futterzellen aufgerissen, Honig verschleppt und Wachsreste fallen an. Das Flugloch, das Anflugbrett und oft auch der Bereich davor wirken dann klebrig, ungepflegt und deutlich stärker verschmutzt als bei gesunden Völkern. Häufig finden sich zusätzlich Wachskrümel oder Zelldeckelreste im Totenfall oder auf dem Boden vor der Beute.

Auch das Flugbild liefert Hinweise. Gesunde Völker zeigen im Frühjahr meist einen ruhigen, gleichmäßigen und zielgerichteten Flug. Bei Räuberei dagegen wirkt das Geschehen hektisch und unkoordiniert. Bienen landen mehrfach hintereinander, starten abrupt wieder, versuchen seitlich oder von oben einzudringen und bilden zeitweise ein dichtes Gedränge am Flugloch.

Ein weiterer wichtiger Anhaltspunkt ist das Gewicht der Beute. Wirkt eine Beute beim Anheben ungewöhnlich leicht, obwohl gleichzeitig reger Flug herrscht, spricht das stark für ein bereits eingegangenes oder vollständig ausgeräumtes Volk. Umgekehrt kann auch eine noch schwere Beute mit verschmiertem Flugloch darauf hindeuten, dass vorhandene Futterreserven gerade geplündert werden.

Häufige Ursachen für Winterverluste

Die Ursachen für tote Völker liegen heute überwiegend in Varroa- und virusbedingten Schäden. Der Befall mit der Varroamilbe und die von ihr übertragenen Viren führen häufig dazu, dass Völker im Spätherbst oder schon sehr früh im Winter zusammenbrechen. Typisch sind stark verkürzte Lebensdauer der Winterbienen, eine rapide abnehmende Volksstärke und ein scheinbar plötzliches Verschwinden der Bienen.

Weitere Ursachen können der Verlust der Königin oder eine unbemerkte Weisellosigkeit im Winter oder in Frühjahr sein, ebenso eine insgesamt zu geringe Winterbienenpopulation infolge problematischer Sommer- oder Herbstbedingungen. Auch zusätzliche Stressfaktoren wie ungünstige Witterungsverläufe oder chronische Krankheitsbelastungen spielen eine Rolle.

Was jetzt zu tun ist

Wird im Frühjahr Räuberei festgestellt, sollte rasch reagiert werden. Ziel ist es, die Situation am Stand zu beruhigen und zu verhindern, dass sich das Räuberverhalten auf weitere Völker ausweitet. Ein sofortiges verschließen des Fluglochs ist dann sehr wichtig. Die vorhandenen Räuberbienen können oben bei geöffnetem Deckel frei gelassen werden. Ebenso das konsequente Vermeiden von offenem Futter oder klebrigen Arbeiten am Stand ist wichtig.

Bei bei vermuteter Räuberei kann das Flugloch stark eingeengt werden und bei geeigneter Witterung sollte zudem zeitnah geklärt werden, ob das Volk tatsächlich noch lebt. Häufig reicht eine kurze Kontrolle, um festzustellen, ob eine Bienenmasse vorhanden ist oder nicht. Bestätigt sich, dass ein Volk eingegangen ist, sollte die Beute nicht über längere Zeit am Stand verbleiben. Tote offene Völker wirken wie ein Magnet für Räuber und erhöhen das Risiko der Krankheitsverschleppung innerhalb des Standes.

Ein zügiges Abräumen, das sachgerechte Verarbeiten der Waben und eine gründliche Reinigung der Beutenteile sind daher zentrale Maßnahmen für die Standhygiene.


Fazit

Flugbetrieb im Frühjahr ist kein verlässlicher Beweis für ein lebendes Volk. Erst das Zusammenspiel aus Flugverhalten, Zustand des Fluglochs, Gewicht der Beute und – falls nötig – einer kurzen Kontrolle erlaubt eine realistische Einschätzung und verhindert folgenschwere Fehleinschätzungen.


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