Nach der Honigernte zählt jeder Tag, Warum wir die Varroa sofort reduzieren

Varroa nach der Honigernte

Nach der Honigernte zählt jeder Tag

Warum wir die Varroa sofort reduzieren

Mit dem Ende der Lindentracht endet in weiten Teilen Deutschlands auch die Honigernte. Die Honigräume werden abgenommen, der Honig geschleudert und für viele Imker scheint die arbeitsreichste Zeit des Jahres vorbei zu sein.

Aus unserer Sicht beginnt jetzt jedoch die wichtigste Phase für die Gesundheit der Bienenvölker.

Denn in den kommenden Wochen entscheidet sich, ob ein Volk gesunde Winterbienen hervorbringen kann oder ob eine hohe Varroabelastung und die von ihr übertragenen Viren die Grundlage für spätere Überwinterungsprobleme legen.

In 60 Sekunden

  • Nach der Honigernte steigt das Risiko durch Varroa und Viren deutlich
  • Viele Milben sitzen geschützt in der verdeckelten Brut
  • Geschädigte Pflegebienen beeinflussen die Qualität der Winterbienen
  • Ein einzelner Messwert reicht für sichere Entscheidungen oft nicht aus
  • Wir setzen direkt nach der letzten Honigernte auf Totale Brutentnahme
  • Ableger und Jungvölker gehören ebenfalls in die Varroastrategie
  • Stichtag ca. 15.07.
Die eigentliche Gefahr sind nicht nur die Milben

Die Varroamilbe schädigt Bienen nicht nur dadurch, dass sie sich von ihrem Fettkörpergewebe ernährt. Das eigentliche Problem ist, dass sie gleichzeitig zahlreiche Viren überträgt und innerhalb des Volkes verbreitet.

Solange die Milbenzahl niedrig ist, können Bienenvölker viele dieser Viren häufig noch kompensieren. Mit jeder weiteren Milbengeneration steigt jedoch nicht nur die Zahl der Parasiten, sondern auch die Viruslast im gesamten Volk.

Dadurch werden immer mehr Jungbienen bereits während ihrer Entwicklung geschädigt. Äußerlich fällt dies zunächst oft gar nicht auf. Die eigentlichen Folgen zeigen sich häufig erst Wochen oder Monate später.

Warum gerade jetzt keine Zeit verloren werden sollte

Nach der Honigernte befinden sich in den meisten Wirtschaftsvölkern noch große Brutflächen. Für die Varroamilbe sind das ideale Bedingungen.

Jede Milbe, die jetzt im Volk verbleibt, kann sich in der verdeckelten Brut weiter vermehren. Aus wenigen hundert Milben können innerhalb kurzer Zeit deutlich mehr werden.

Gleichzeitig schlüpfen fortlaufend neue Bienen, die bereits während ihrer Entwicklung mit Milben und Viren in Kontakt kommen.

Die jetzt schlüpfenden Bienengenerationen übernehmen schon bald die Pflege der späteren Winterbienen. Sind diese Pflegebienen bereits geschädigt, wirkt sich das unmittelbar auf die Qualität der Winterbienen aus.

Warum gesunde Winterbienen so wichtig sind

Winterbienen unterscheiden sich deutlich von Sommerbienen. Sie müssen mehrere Monate leben und verfügen deshalb über besonders ausgeprägte Fettkörper.

Diese Fettkörper dienen als Energie- und Eiweißspeicher, übernehmen wichtige Aufgaben im Immunsystem und ermöglichen es den Bienen, im zeitigen Frühjahr wieder Brut aufzuziehen.

Werden Winterbienen von geschwächten Pflegebienen aufgezogen oder entwickeln sie sich bereits unter hoher Virusbelastung, entstehen häufig Bienen mit geringeren Fettkörperreserven, einer kürzeren Lebensdauer und einer deutlich schlechteren Überwinterungsfähigkeit.

Diese Entwicklung lässt sich später kaum noch korrigieren.

Die größten Fehler passieren nach der Honigernte

Viele Bienenvölker wirken Mitte Juli noch stark. Es herrscht reger Flugbetrieb, die Königin legt Eier und äußerlich scheint alles in Ordnung zu sein.

Gerade das macht die Varroa so gefährlich.

Die eigentliche Entwicklung findet im Verborgenen statt. Ein Großteil der Milben befindet sich geschützt in der verdeckelten Brut. Von außen ist kaum zu erkennen, wie stark sich die Population bereits entwickelt hat.

Wenn im August oder September plötzlich viele Milben auf der Windel liegen oder erste Schäden sichtbar werden, ist der eigentliche Höhepunkt der Entwicklung meist längst überschritten.

Die Folgen treffen dann genau die Bienengenerationen, die später für die Überwinterung verantwortlich sind.

Befallsorientierte Behandlung – sinnvoll, aber anspruchsvoll

In den vergangenen Jahren wird immer häufiger die befallsorientierte Varroabekämpfung empfohlen.

Grundsätzlich halten wir diesen Ansatz für sinnvoll.

Allerdings setzt er voraus, dass der Imker seine Völker sehr gut kennt und die Ergebnisse richtig interpretieren kann.

Dazu gehört nicht nur die Bestimmung des Milbenbefalls, sondern auch die Einschätzung der Volksentwicklung, der Brutmenge, der Reinvasion aus Nachbarständen, der Jahreszeit sowie der Geschwindigkeit, mit der sich der Milbenbefall verändern kann.

Ein einzelner Messwert erzählt niemals die ganze Geschichte.

Warum der Aufwand oft unterschätzt wird

Wer befallsorientiert arbeitet, muss seine Völker regelmäßig kontrollieren, Entwicklungen erkennen und im richtigen Moment reagieren.

Nach unserer Erfahrung wird dieser Aufwand häufig unterschätzt.

Für viele Hobbyimker besteht deshalb die Gefahr, den tatsächlichen Befall zu niedrig einzuschätzen oder den optimalen Zeitpunkt für eine wirksame Maßnahme zu verpassen.

Unsere Betriebsweise nach der letzten Honigernte

Jeder Imker entwickelt mit den Jahren seine eigene Betriebsweise.

Wir möchten deshalb keine allgemeine Behandlungsempfehlung geben, sondern schildern, wie wir selbst seit vielen Jahren erfolgreich arbeiten.

Direkt nach der letzten Honigernte führen wir bei unseren Wirtschaftsvölkern eine Totale Brutentnahme (TBE) durch.

Dadurch wird der überwiegende Teil der Varroamilben zusammen mit der Brut aus dem Wirtschaftsvolk entfernt. Das zurückbleibende Volk ist anschließend brutfrei und wird auf frische Mittelwände gesetzt. Es muss sofort reichlich eingefüttert werden . Wir verwenden Zuckerwasser im Verhältnis 1:1 .

Bevor die erste neu angelegte Brut wieder verdeckelt wird, behandeln wir das Volk zweimal im Abstand von drei Tagen mit Oxalsäure.

Mit dieser Vorgehensweise haben wir über viele Jahre sehr gute Erfahrungen gemacht. Unser Ziel ist es, den Varroadruck unmittelbar nach der Honigernte massiv zu reduzieren und den Bienenvölkern möglichst optimale Bedingungen für die kommenden Wochen zu schaffen.

Ableger gehören genauso dazu

Auch Ableger, Begattungseinheiten und Jungvölker dürfen jetzt nicht vergessen werden.

Gerade kleinere Einheiten können durch einen ansteigenden Varroabefall innerhalb kurzer Zeit erhebliche Schäden erleiden. Deshalb gehören sie selbstverständlich ebenfalls in die eigene Varroastrategie.


Fazit

Die Honigernte beendet zwar die Trachtsaison, sie markiert aber gleichzeitig den Beginn der wichtigsten Phase für die Vorbereitung auf den Winter.

Nicht erst die Winterbienen müssen geschützt werden. Entscheidend ist, dass bereits die Bienengenerationen gesund bleiben, die wenige Wochen später die Winterbienen aufziehen.

Deshalb zählt aus unserer Sicht nach der letzten Honigernte jeder einzelne Tag.

Je früher der Varroadruck deutlich reduziert wird, desto geringer ist die Virusbelastung im Volk und desto besser sind die Voraussetzungen für gesunde Pflegebienen, leistungsfähige Winterbienen und starke Völker im kommenden Frühjahr.

Die Varroamilbe macht nach der Honigernte keine Pause. Deshalb tun wir es auch nicht.


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