Räuberei in trachtarmer Zeit, warum Ableger und Begattungseinheiten besonders gefährdet sind

Räuberei in trachtarmer Zeit – warum Ableger und Begattungseinheiten besonders gefährdet sind

Trachtarme Zeit

Räuberei bei Bienen

Warum Ableger und Begattungseinheiten besonders gefährdet sind

Wenn die Tracht nachlässt, verändert sich das Verhalten vieler Bienenvölker deutlich. Besonders nach der Sommertracht, während längerer Trockenperioden oder in einer Trachtlücke suchen Sammelbienen intensiv nach jeder verfügbaren Futterquelle.

In dieser Phase steigt das Risiko für Räuberei stark an. Dabei dringen Bienen eines oder mehrerer Völker in ein anderes Volk ein, um Honig oder Futtervorräte zu stehlen. Was zunächst wie normaler Flugbetrieb aussehen kann, kann sich innerhalb kurzer Zeit zu einer ernsten Gefahr entwickeln.

In 60 Sekunden

  • Räuberei entsteht häufig in trachtarmen Phasen
  • Ableger und Begattungseinheiten sind besonders gefährdet
  • Offenes Futter und große Fluglöcher erhöhen das Risiko
  • Hektischer Flugbetrieb und Kämpfe am Flugloch sind Warnzeichen
  • Schnelles Einengen des Fluglochs kann Verluste verhindern
Welche Einheiten sind besonders gefährdet?

Gerade kleine oder geschwächte Einheiten können Räuberei oft nicht lange abwehren. Deshalb ist in trachtarmer Zeit besondere Vorsicht nötig.

Besonders gefährdet sind:

  • frisch gebildete Ableger
  • Begattungseinheiten
  • MiniPlus-Völker
  • Apideas und Kieler Begattungskästchen
  • weisellose Einheiten
  • schwache Wirtschaftsvölker
  • kranke oder stark geschwächte Völker
Warum entsteht Räuberei?

In einer guten Trachtzeit finden Bienen Nektar, Honigtau und Pollen in der Natur. Lässt dieses Angebot nach, suchen viele Flugbienen nach anderen Futterquellen.

Sie reagieren dann sehr stark auf Gerüche von Honig, Zuckerwasser, Futterteig, ausgeschleuderten Waben oder offenen Futtergeschirren.

Findet eine Biene eine solche Quelle, wird diese Information im Volk weitergegeben. Dadurch können innerhalb kurzer Zeit viele Räuberbienen auftauchen.

Häufige Auslöser sind:

  • verschüttetes Futter
  • undichte Futtergeschirre
  • offene Futterwaben
  • zu lange geöffnete Beuten
  • zu große Fluglöcher bei kleinen Einheiten
Was passiert im betroffenen Volk?

Ein starkes Volk kann sein Flugloch meist gut verteidigen. Wächterbienen kontrollieren ankommende Bienen und weisen fremde Bienen ab.

Bei kleinen Ablegern oder Begattungseinheiten ist die Situation anders. Sie haben nur wenige Bienen. Die Verteidigung am Flugloch ist schwächer, und oft ist die Königin noch unbegattet oder gerade erst in Eilage gegangen.

Wenn Räuberbienen eindringen, entsteht Stress im ganzen Volk. Es kommt zu Kämpfen am Flugloch und im Inneren der Beute. Bienen werden verletzt oder getötet, Futtervorräte werden ausgeräumt.

In kleinen Einheiten kann die Königin verloren gehen oder das Volk vollständig zusammenbrechen.

Warum sind Begattungseinheiten besonders gefährdet?

Begattungseinheiten sind klein und haben nur eine begrenzte Anzahl an Bienen. Sie besitzen oft nur wenig Futterreserve und können sich gegen starke Räuberbienen kaum wehren.

Dazu kommt: Viele Begattungseinheiten werden in Zeiten erstellt, in denen die Haupttracht bereits nachlässt oder vorbei ist. Genau dann steigt die Gefahr durch suchende Bienen.

Besonders kritisch sind:

  • zu große Fluglöcher
  • zu dünn besetzte Kästchen
  • Fütterung mit offenem Flüssigfutter
  • verschüttetes Futter
  • aufgestellte Wabenreste
  • unruhige Arbeiten am Stand
  • viele kleine Einheiten direkt neben starken Völkern

Begattungseinheiten sollten deshalb in trachtarmen Phasen nur sehr vorsichtig geöffnet und kontrolliert werden.

Warum sind frisch erstellte Ableger besonders gefährdet?

Frisch erstellte Ableger haben noch keine volle Volksstärke. Sie müssen sich erst organisieren, neue Flugbienen aufbauen und ihr Flugloch sicher verteidigen.

Viele Ableger haben außerdem einen hohen Futterbedarf. Wenn sie gefüttert werden, entsteht schnell ein starker Geruch, der Räuberbienen anziehen kann. Flüssigfutter ist dabei besonders kritisch, wenn es tropft oder offen erreichbar ist.

Grundsatz: Ein kleines Volk braucht kein großes Flugloch. Je kleiner die Einheit, desto kleiner sollte der Eingang sein.

Woran erkennt man Räuberei?

Räuberei erkennt man häufig an einem hektischen, unruhigen Flugbetrieb. Die Bienen fliegen nicht ruhig ein und aus, sondern suchen an der Beutenfront, an Ritzen, am Deckel oder an der Rückseite nach Einstiegsmöglichkeiten.

Typische Anzeichen sind:

  • Kämpfe am Flugloch
  • Bienen rollen kämpfend vor der Beute
  • tote oder verletzte Bienen vor dem Eingang
  • hektisches, suchendes Flugverhalten
  • fremde Bienen versuchen an Ritzen einzudringen
  • Wachsbrösel am Flugloch
  • plötzlich stark sinkende Futtervorräte
  • Unruhe im Volk
  • kleine Einheiten wirken leer oder stark geschwächt

Wichtig ist die Unterscheidung zum Jungbienenflug. Beim Einfliegen junger Bienen sieht man oft viele Bienen vor der Beute. Diese fliegen aber meist ruhiger in Bögen vor dem Flugloch. Räuberei wirkt dagegen hektisch, aggressiv und unkontrolliert.

Sofortmaßnahmen bei Räuberei

Wenn Räuberei beginnt, muss schnell gehandelt werden. Je früher eingegriffen wird, desto besser sind die Chancen.

Die wichtigste Maßnahme ist das sofortige Einengen des Fluglochs. Bei kleinen Ablegern oder Begattungseinheiten kann das Flugloch auf eine sehr kleine Öffnung reduziert werden.

Entscheidend ist, dass die eigenen Bienen den Eingang wieder verteidigen können.

Zusätzlich müssen alle offenen Futterquellen sofort entfernt werden:

  • verschüttetes Futter aufnehmen
  • offene Futterwaben entfernen
  • Honigreste nicht stehen lassen
  • ausgeschleuderte Waben nicht offen am Stand geben
  • undichte Futtergeschirre austauschen
  • Beuten und Kästchen auf Spalten prüfen

Bei starker Räuberei kann es sinnvoll sein, die betroffene Einheit vorübergehend zu verstellen. Besonders Begattungseinheiten oder kleine Ableger können an einem ruhigeren Standort außerhalb des direkten Flugradius oft besser geschützt werden.

Vorbeugende Maßnahmen

Die beste Maßnahme gegen Räuberei ist Vorbeugung. Gerade kleine Einheiten sollten in trachtarmen Phasen besonders sorgfältig geführt werden.

1. Flugloch klein halten

Das Flugloch muss zur Volksstärke passen. Kleine Einheiten brauchen kleine Fluglöcher. Bei Begattungskästchen und frisch gebildeten Ablegern sollte der Eingang so klein sein, dass er sicher bewacht werden kann.

Lieber zunächst zu klein als zu groß. Wenn die Einheit stärker wird, kann das Flugloch später schrittweise erweitert werden.

2. Abends füttern

Fütterung sollte möglichst abends erfolgen, wenn der Flugbetrieb nachlässt. Dadurch sinkt das Risiko, dass suchende Bienen sofort auf die Futterquelle aufmerksam werden.

3. Sauber füttern

Beim Füttern darf nichts verschüttet werden. Tropfendes Zuckerwasser oder offene Futterreste sind ein starker Auslöser für Räuberei.

Besonders bei kleinen Ablegern und Begattungseinheiten sollte sehr sauber und möglichst ohne Kleckern gearbeitet werden.

4. Keine offenen Waben am Stand

Honigwaben, Futterwaben oder ausgeschleuderte Waben dürfen nicht offen am Stand herumstehen. Auch kurze Zeit kann reichen, um Räuberei auszulösen.

Waben sollten immer bienendicht gelagert oder sofort wieder verschlossen werden.

5. Kleine Einheiten nicht unnötig lange öffnen

Ableger und Begattungseinheiten sollten nur kurz kontrolliert werden. Jede längere Öffnung verbreitet Geruch und macht die Einheit angreifbar.

Kontrollen sollten gut vorbereitet sein. Erst überlegen, was geprüft werden muss, dann öffnen, kontrollieren und sofort wieder schließen.

6. Schwache Einheiten kritisch prüfen

Sehr schwache Ableger oder Begattungseinheiten sind in trachtarmer Zeit besonders gefährdet. Wenn eine Einheit kaum noch verteidigungsfähig ist, sollte geprüft werden, ob ein Vereinigen sinnvoller ist als ein Weiterführen.

7. Abstand zu starken Völkern beachten

Wenn viele kleine Begattungseinheiten direkt neben starken Wirtschaftsvölkern stehen, kann der Räuberdruck steigen. Ein separater, ruhiger Standort für Begattungseinheiten kann helfen.

8. Futterteig statt Flüssigfutter prüfen

Bei sehr kleinen Einheiten kann Futterteig oft sicherer sein als flüssiges Futter, weil weniger Geruch entsteht und nichts ausläuft. Trotzdem muss auch Futterteig so gegeben werden, dass keine offenen Futterreste Räuber anlocken.

Was sollte man vermeiden?

In trachtarmer Zeit sollten bestimmte Arbeiten besonders vorsichtig oder gar nicht durchgeführt werden.

Vermeiden sollte man:

  • offenes Ausschleckenlassen von Honigräumen am Stand
  • lange offene Beuten
  • Fütterung mitten am Tag
  • tropfende Futterbehälter
  • große Fluglöcher bei kleinen Einheiten
  • unnötiges Umstellen und Öffnen von Begattungskästchen
  • schwache Einheiten ohne Kontrolle weiterlaufen lassen
  • Wabenreste oder Futterreste im Freien

Gerade ein kleiner Fehler kann in einer trachtarmen Phase reichen, um Räuberei auszulösen.


Fazit

Räuberei ist in trachtarmer Zeit eine ernste Gefahr. Besonders betroffen sind kleine und schwache Einheiten wie frisch erstellte Ableger, Begattungseinheiten, MiniPlus-Völker oder Apideas.

Entscheidend sind Vorbeugung und schnelles Handeln. Fluglöcher müssen klein gehalten, Futterquellen sauber verschlossen und Arbeiten am Volk kurz gehalten werden.

Wer in trachtarmen Phasen sauber arbeitet, kleine Einheiten schützt und Warnzeichen früh erkennt, kann viele Verluste vermeiden.


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