Die nächsten Wochen entscheiden über die Qualität Ihrer Winterbienen

Die nächsten Wochen entscheiden über die Qualität Ihrer Winterbienen

Spätsommer und Wintervorbereitung

Die nächsten Wochen entscheiden über die Qualität Ihrer Winterbienen

Warum Varroakontrolle, Futter, Pollen und gesunde Pflegebienen jetzt entscheidend sind

Nach der letzten Honigernte richtet sich der Blick vieler Imker verständlicherweise vor allem auf die Varroabehandlung und das Auffüttern. Beides ist jetzt besonders wichtig. Mindestens ebenso entscheidend ist jedoch, unter welchen Bedingungen die kommenden Brutgenerationen aufwachsen.

Die eigentlichen Winterbienen entstehen nicht plötzlich an einem bestimmten Tag. Die Umstellung von kurzlebigen Sommerbienen auf langlebige Winterbienen ist vielmehr ein fließender Prozess, der sich über mehrere Brutgenerationen erstreckt.

Zunächst werden noch überwiegend Sommer- und Übergangsbienen erzeugt. Doch auch deren Gesundheit ist von großer Bedeutung: Sie pflegen später die Brut, aus der die eigentlichen Winterbienen hervorgehen.

Werden bereits diese ersten Generationen durch Varroa, Viren, Futtermangel oder eine schlechte Pollenversorgung geschwächt, kann sich das auf das gesamte Volk bis weit in den Winter hinein auswirken.

In 60 Sekunden

  • Die Qualität der Winterbienen wird bereits im Juli und August vorbereitet.
  • Gesunde Pflegebienen sind die Grundlage für gesunde Winterbienen.
  • Varroa und Viren können die Lebensdauer der späteren Winterbienen verkürzen.
  • Futter und hochwertiger Pollen müssen während der Brutaufzucht verfügbar sein.
  • Der Erfolg einer Varroabehandlung sollte regelmäßig kontrolliert werden.
Winterbienen sind keine gewöhnlichen Arbeiterinnen

Winterbienen unterscheiden sich deutlich von den kurzlebigen Arbeiterinnen des Sommers.

Während Sommerbienen häufig nur wenige Wochen leben, können Winterbienen mehrere Monate alt werden. Sie bilden die Wintertraube, regulieren die Temperatur im Volk und versorgen im Spätwinter und Frühjahr die erste neue Brut.

Damit übernehmen sie eine entscheidende Aufgabe: Sie müssen das Volk nicht nur durch den Winter bringen, sondern auch den Übergang in das neue Bienenjahr ermöglichen.

Ihre besondere Langlebigkeit hängt unter anderem mit einem gut entwickelten Fettkörper und hohen Reserven an Vitellogenin zusammen. Dieses Speicherprotein spielt eine wichtige Rolle für die Ernährung, das Immunsystem und die Lebensdauer der Bienen.

Die Qualität der Winterbienen beginnt schon vor ihrer Entstehung

Gesunde und langlebige Winterbienen entstehen nicht zufällig. Ihre Entwicklung hängt von mehreren Faktoren ab, die eng miteinander verbunden sind:

  • einem möglichst geringen Varroadruck,
  • einer niedrigen Virusbelastung,
  • ausreichend Futter,
  • einer guten Pollenversorgung,
  • einer leistungsfähigen Königin,
  • genügend gesunden Pflegebienen
  • und möglichst wenig zusätzlichem Stress.

Dabei darf nicht nur auf die späteren Winterbienen selbst geschaut werden. Auch die Bienen, die diese Winterbienen als Larven versorgen, müssen gesund und leistungsfähig sein.

Deshalb sind die kommenden Wochen so entscheidend.

Varroa schädigt mehr als nur einzelne Bienen

Die Varroamilbe ist nicht nur ein Parasit, der einzelne Bienen schwächt. Besonders problematisch ist ihre Verbindung mit verschiedenen Viren.

Werden Bienen während ihrer Entwicklung in der verdeckelten Brut von Varroamilben befallen, können sie bereits geschädigt schlüpfen. Häufig besitzen solche Bienen geringere körperliche Reserven, einen schwächer entwickelten Fettkörper und eine verkürzte Lebenserwartung.

Genau diese Eigenschaften werden jedoch für langlebige Winterbienen und gesunde Pflegebienen benötigt.

Eine zu spät begonnene oder nicht ausreichend wirksame Sommerbehandlung kann deshalb Folgen haben, die sich möglicherweise erst Wochen oder Monate später zeigen.

Nicht nur behandeln, sondern den Erfolg kontrollieren

Eine durchgeführte Varroabehandlung bedeutet nicht automatisch, dass der Milbendruck dauerhaft niedrig bleibt.

Entscheidend ist, den Behandlungserfolg zu kontrollieren und die weitere Entwicklung des Befalls im Blick zu behalten. Je nach Betriebsweise können dafür beispielsweise der natürliche Milbenfall, eine Auswaschung oder andere geeignete Diagnosemethoden genutzt werden.

Auch nach einer erfolgreichen Behandlung kann die Milbenbelastung wieder ansteigen. Eine mögliche Ursache ist die Reinvasion.

Dabei gelangen Milben aus stärker belasteten Völkern erneut in bereits behandelte Bienenvölker. Dies kann unter anderem durch Verflug oder Räuberei geschehen. Besonders im Spätsommer kann sich der Befall dadurch innerhalb kurzer Zeit deutlich verändern.

Eine regelmäßige Kontrolle ist deshalb sinnvoller als die Annahme, dass eine einmalige Behandlung das Problem für den restlichen Sommer vollständig gelöst hat.

Futter muss rechtzeitig verfügbar sein

Neben der Varroabelastung spielt auch die Futterversorgung eine wichtige Rolle.

Ein Volk, das unter Futtermangel leidet, reduziert häufig die Brut oder stellt sie zeitweise vollständig ein. Dadurch können wichtige Brutgenerationen ausfallen oder deutlich schwächer ausfallen.

Gerade Ableger, kleinere Völker und Begattungseinheiten sollten deshalb besonders aufmerksam kontrolliert werden. Nach dem Ende einer Tracht können ihre Vorräte überraschend schnell zurückgehen.

Entscheidend ist nicht nur, dass irgendwann ausreichend Winterfutter eingelagert wird. Auch während der Aufzucht der kommenden Bienengenerationen muss jederzeit genügend Futter erreichbar sein.

Pollen wird häufig unterschätzt

Für die Aufzucht gesunder Brut benötigen Bienenvölker nicht nur Kohlenhydrate, sondern auch ausreichend Eiweiß.

Pollen liefert Proteine, Fette, Vitamine und weitere Nährstoffe, die für die Entwicklung der Larven und die Bildung von Futtersaft notwendig sind. Fehlt über längere Zeit hochwertiger Pollen, kann dies die Leistungsfähigkeit der Pflegebienen und damit auch die Qualität der aufgezogenen Brut beeinträchtigen.

Ein regelmäßiger Blick auf den Polleneintrag am Flugloch und die Pollenvorräte im Volk kann deshalb wertvolle Hinweise geben.

Dabei ist zu beachten, dass sichtbarer Polleneintrag allein noch keine vollständige Bewertung erlaubt. Entscheidend sind auch Menge, Vielfalt und Verfügbarkeit der vorhandenen Pollenquellen.

Eine leistungsfähige Königin bleibt wichtig

Auch die Königin hat Einfluss darauf, wie sich das Volk in den kommenden Wochen entwickelt.

Eine leistungsfähige Königin sorgt für ein geschlossenes und ausreichend großes Brutnest. Eine nachlassende Königin, häufige Brutunterbrechungen oder eine stille Umweiselung können dagegen dazu führen, dass wichtige Brutgenerationen schwächer ausfallen.

Nicht jedes unregelmäßige Brutbild ist automatisch problematisch. Dennoch sollte bei auffälligen Veränderungen geprüft werden, ob die Ursache bei der Königin, bei Futtermangel, Krankheiten oder anderen Belastungen liegt.

Unnötiger Stress kostet zusätzliche Kraft

Jede Störung beansprucht das Volk.

Notwendige Arbeiten müssen selbstverständlich durchgeführt werden. Häufige oder unnötig lange Durchsichten sollten jedoch vermieden werden. Besonders bei Trachtmangel steigt zudem die Gefahr von Räuberei.

Auch Wassermangel, Futterknappheit, starke Hitze, ungeeignete Beutenstandorte oder wiederholte Störungen können die Völker zusätzlich belasten.

Die Arbeiten am Volk sollten deshalb möglichst ruhig, vorbereitet und zielgerichtet erfolgen.



Unsere Empfehlung von Bee Pilot

Die kommenden Wochen sollten genutzt werden, um möglichst gute Voraussetzungen für die späteren Winterbienen zu schaffen.

Achten Sie dabei besonders auf:

  • den Varroabefall,
  • den Erfolg der durchgeführten Behandlung,
  • mögliche Anzeichen einer Reinvasion,
  • ausreichende Futtervorräte,
  • den Polleneintrag,
  • die Volks- und Brutstärke,
  • die Leistung der Königin
  • sowie auffällige Veränderungen im Volk.

Wer jetzt sorgfältig arbeitet, investiert nicht nur in die Überwinterung. Er schafft gleichzeitig die Grundlage für einen gesunden und leistungsfähigen Start in das nächste Bienenjahr.

Starke Wintervölker entstehen nicht erst im Herbst. Sie werden durch gesunde Pflegebienen, einen niedrigen Varroadruck und die richtigen Entscheidungen im Juli und August vorbereitet.

Die Bee-Pilot-App kann dabei helfen, Kontrollen, Varroawerte, Futterstand und Volksentwicklung übersichtlich zu dokumentieren und Veränderungen frühzeitig zu erkennen.


Beobachtungen, Varroawerte und Futterstand direkt am Bienenstand dokumentieren

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