Schadschwellen orientiertes Varroa- management, messen, verstehen und gezielt handeln

Gemülldiagnose

Varroamanagement

Schadschwellen orientiertes Varroamanagement

Messen, verstehen und gezielt handeln

Stell dir vor, du gehst an deinen Bienenstand und stellst dir nicht mehr zuerst die Frage:

„Wann muss ich meine Völker behandeln?“

Sondern:

„Wie stark ist jedes einzelne meiner Völker tatsächlich mit Varroa belastet?“

Genau das ist der Grundgedanke des schadschwellenorientierten Varroamanagements.

Nicht jedes Volk entwickelt sich gleich. Während bei einem Volk der Varroadruck bereits kritisch steigen kann, bleibt ein anderes am selben Stand möglicherweise noch deutlich unauffälliger.

Statt ausschließlich nach einem festen Zeitplan zu arbeiten, wird deshalb regelmäßig gemessen, bewertet und anschließend entschieden.

Das klingt zunächst einfach.

In der Praxis ist es .. gerade für Anfänger .. allerdings deutlich schwieriger.

In 60 Sekunden

  • Varroabelastung regelmäßig messen statt nur nach Kalender handeln
  • Messwerte müssen immer zur Methode und Jahreszeit passen
  • Windel, Puderzuckerprobe und Auswaschprobe liefern unterschiedliche Werte
  • Regelmäßige Daten helfen beim Vergleich einzelner Völker
  • Langfristig können diese Beobachtungen auch für die Zucht wertvoll werden
Die größte Hürde für Anfänger: Was bedeutet meine Zahl eigentlich?

Wer gerade mit der Imkerei beginnt, steht schnell vor einem Problem.

Man zählt beispielsweise sechs Milben auf der Windel.

Aber was bedeutet das?

Sind sechs Milben viel? Oder wenig? Über wie viele Tage wurde gemessen? Welche Jahreszeit haben wir? Muss ich jetzt handeln? Wann soll ich erneut messen? Und wäre mit einer anderen Messmethode überhaupt derselbe Wert herausgekommen?

Genau hier beginnt die Unsicherheit.

Ein erfahrener Imker kann einen Messwert häufig wesentlich besser in den Zusammenhang von Jahreszeit, Volksentwicklung, Standort und bisherigen Beobachtungen einordnen.

Ein Anfänger besitzt diese Erfahrung noch nicht.

Er muss gleichzeitig lernen:

  • welche Messmethode wann sinnvoll ist,
  • wie sie korrekt durchgeführt wird,
  • wie der Messwert berechnet wird,
  • welcher Schwellenwert gilt,
  • wie dringend die Situation ist,
  • und welche Konsequenz daraus folgt.

Das ist viel Wissen für eine einzige Zahl.

Das Grundprinzip ist trotzdem erstaunlich einfach

Im Kern besteht schadschwellenorientiertes Varroamanagement aus vier Schritten:

Messen → Bewerten → Entscheiden → Kontrollieren

Zuerst wird die aktuelle Varroabelastung ermittelt.

Anschließend wird der Wert passend zur Messmethode und zum Zeitpunkt eingeordnet.

Danach wird entschieden, ob aktuell Handlungsbedarf besteht oder zunächst weiter beobachtet werden kann.

Nach einer erforderlichen Maßnahme wird erneut kontrolliert.

Gerade der letzte Punkt ist wichtig: Nicht allein die Zahl der während einer Behandlung gefallenen Milben zeigt den Erfolg. Entscheidend ist, wie sich die verbleibende Belastung anschließend entwickelt.

Beispiel 1: Die Windel

Die Gemülldiagnose beziehungsweise Windelkontrolle ist für viele Imker ein einfacher Einstieg.

Eine Bodeneinlage wird für einen definierten Zeitraum unter das Volk geschoben. Anschließend werden die natürlich abgefallenen Varroamilben gezählt.

Angenommen:

Du findest innerhalb von drei Tagen insgesamt 18 Milben.

Dann beträgt der natürliche Milbenfall:

18 ÷ 3 = 6 Milben pro Tag

Damit besitzt du einen Messwert.

Aber noch keine fertige Entscheidung.

Denn jetzt kommt die entscheidende Frage:

Was bedeuten sechs Milben pro Tag zu diesem Zeitpunkt im Bienenjahr?

Genau deshalb können starre Grenzwerte problematisch sein.

Der gleiche Messwert kann abhängig von Jahreszeit und Situation unterschiedlich bewertet werden.

Beispiel 2: Puderzuckerprobe

Bei einer Puderzuckerprobe wird dagegen eine definierte Menge Bienen untersucht.

Die Milben werden von den Bienen gelöst und anschließend gezählt.

Hier entsteht also ein völlig anderer Rohwert als bei der Windel.

Die Windel liefert beispielsweise:

Milben pro Tag

Eine Bienenprobe liefert dagegen einen Befall bezogen auf die untersuchte Bienenmenge.

Beide Verfahren beschäftigen sich mit derselben Frage der Varroabelastung.

Aber ihre Zahlen können nicht einfach direkt nebeneinandergelegt werden.

Beispiel 3: Auswaschprobe

Auch bei einer Auswaschprobe wird eine definierte Bienenprobe untersucht.

Die Milben werden von den Bienen getrennt und gezählt. Daraus lässt sich der Befall der untersuchten Bienen bestimmen.

Das Verfahren kann eine gute Momentaufnahme liefern, unterscheidet sich aber sowohl in der Durchführung als auch in der Aussage des Rohwerts von der Gemülldiagnose.

Und genau deshalb wird das Thema für Anfänger schnell kompliziert.

Nicht jede Messmethode spricht dieselbe Sprache

Je tiefer man sich mit Varroadiagnostik beschäftigt, desto deutlicher wird das Problem.

Es existieren unterschiedliche Verfahren wie beispielsweise:

Windelkontrolle

→ natürlicher Milbenfall über einen bestimmten Zeitraum

Puderzuckerprobe

→ Milbenbefall einer definierten Bienenprobe

Auswaschmethode

→ Milbenbefall einer definierten Bienenprobe

Brutuntersuchung

→ Untersuchung des Befalls in der Brut

Weitere Verfahren können zusätzliche Informationen über das Volk oder für die züchterische Beurteilung liefern.

Jede Methode hat ihre Berechtigung.

Aber sie produziert ihre eigene Art von Daten.

Für einen erfahrenen Imker ist das bereits anspruchsvoll.

Für jemanden mit seinen ersten fünf Bienenvölkern kann es regelrecht überwältigend sein.

Und dann kommt noch die Jahreszeit dazu

Varroa ist kein statisches Problem.

Die Situation verändert sich im Verlauf des Bienenjahres erheblich.

Mit der Entwicklung des Bienenvolkes entwickelt sich auch die Milbenpopulation.

Deshalb reicht es nicht, sich einen einzigen Schwellenwert zu merken und diesen das ganze Jahr anzuwenden.

Der Zeitpunkt der Messung spielt eine entscheidende Rolle.

Das bedeutet für den Imker:

Eine Zahl braucht immer einen Kontext.

Ein praktisches Beispiel

Nehmen wir zwei Bienenvölker am selben Stand.

Volk A

Die regelmäßigen Kontrollen zeigen über längere Zeit nur einen langsam steigenden Varroadruck.

Volk B

Unter vergleichbaren Bedingungen steigt die Belastung deutlich schneller.

Für das unmittelbare Varroamanagement ist zunächst wichtig, rechtzeitig zu erkennen, wann bei Volk B Handlungsbedarf entsteht.

Aber die Daten erzählen noch eine zweite Geschichte.

Warum entwickeln sich diese beiden Völker unterschiedlich?

Genau diese Frage wird für die Zucht interessant.

Wenn sich solche Unterschiede wiederholt und über längere Zeiträume zeigen, können sie ein Hinweis darauf sein, welche Völker für eine genauere Beobachtung und züchterische Bewertung besonders interessant sind.

Aus Varroamanagement wird plötzlich Basiszucht

Und genau hier wird schadschwellenorientiertes Arbeiten besonders spannend.

Wer regelmäßig misst, sammelt nicht nur Daten für die nächste Entscheidung.

Er dokumentiert gleichzeitig, wie sich jedes einzelne Volk mit Varroa entwickelt.

Damit verändert sich der Blick auf den eigenen Bienenstand.

Plötzlich geht es nicht mehr ausschließlich darum:

„Welches Volk muss ich jetzt besonders im Auge behalten?“

Sondern irgendwann auch:

„Warum muss ich bei diesem Volk immer früher eingreifen als bei einem anderen?“

Oder:

„Warum bleibt dieses Volk unter vergleichbaren Bedingungen immer wieder länger unauffällig?“

Solche Beobachtungen sind für eine langfristige Selektion besonders interessant.

Genau hier liegt auch der Weg Richtung Varroaresistenz

Unser langfristiges Ziel sollte nicht nur darin bestehen, immer besser auf steigende Varroabelastungen zu reagieren.

Wir möchten Bienenvölker fördern, die langfristig besser mit der Varroamilbe zurechtkommen.

Genau das ist auch der Grundgedanke hinter der Varroaresistenzzucht .

Dafür müssen Unterschiede zwischen den Völkern überhaupt erst sichtbar werden.

Und das funktioniert nur, wenn wir messen.

Nicht einmal.

Sondern regelmäßig.

Nicht nur die problematischen Völker.

Sondern möglichst den gesamten Bestand.

Denn erst dann können wir vergleichen.

Genau hier möchten wir Anfänger unterstützen

Das Problem ist offensichtlich:

Wir können einem Neuimker nicht einfach sagen:

„Miss deine Varroabelastung und orientiere dich an der Schadschwelle.“

Damit fangen die Fragen nämlich erst an.

  • Welche Methode?
  • Wie messe ich richtig?
  • Was muss ich eingeben?
  • Wie berechne ich das Ergebnis?
  • Was bedeutet die Zahl?
  • Wie ist sie zu dieser Jahreszeit einzuordnen?
  • Wann sollte ich erneut kontrollieren?

Genau diese Denkarbeit möchten wir mit bee-pilot.io einfacher machen.

Der Imker soll die Messung durchführen.

Die Software soll ihm anschließend dabei helfen, die Daten zu verstehen.

Aus einer Zahl wird eine verständliche Information

Unser Ziel beim Varroa-Modul ist deshalb nicht, möglichst viele Zahlen auf dem Bildschirm darzustellen.

Im Gegenteil.

Der Imker soll möglichst schnell verstehen:

Wo steht mein Volk?

Dazu können unterschiedliche Messmethoden mit den jeweils benötigten Angaben erfasst werden.

Aus dem methodenspezifischen Rohwert entsteht eine einheitlichere Bewertung der Belastung.

Anschließend kann diese Belastung unter Berücksichtigung relevanter Schwellenwerte eingeordnet werden.

So wird aus:

„Ich habe 18 Milben in drei Tagen gezählt.“

eine für den Anwender wesentlich wichtigere Information:

„Wie ist die Belastung dieses Volkes aktuell einzuschätzen?“

Genau dieser Unterschied ist besonders für Anfänger enorm.

Der Anfänger lernt dabei trotzdem

Uns ist wichtig, dem Imker die Entscheidung nicht einfach aus der Hand zu nehmen.

bee-pilot.io soll kein schwarzer Kasten sein, der nur sagt:

Grün. Gelb. Rot. (5 Stufig)

Der Anwender soll mit der Zeit verstehen, warum sein Volk so eingestuft wird.

Dadurch entsteht ein Lernprozess.

Aus einem Anfänger, der zunächst nicht weiß, was sechs Milben pro Tag bedeuten, wird mit jeder Messung ein Imker, der die Entwicklung seiner Völker besser versteht.

Die Software unterstützt dabei.

Die Erfahrung entsteht weiterhin am Bienenstand.

Und irgendwann wird aus Erfahrung Wissen über den eigenen Bestand

Nach einer Saison besitzt man nicht mehr nur einzelne Notizen.

Man sieht Verläufe.

Nach zwei oder drei Jahren werden diese Daten noch interessanter.

Welche Völker fallen immer wieder früh auf? Welche bleiben länger stabil? Welche Königinnen beziehungsweise Linien zeigen wiederholt interessante Entwicklungen?

Genau daraus können langfristig bessere Zuchtentscheidungen entstehen.

Das ist für uns die Verbindung zwischen schadschwellenorientiertem Varroamanagement und der Varroaresistenzucht.

Das eine hilft uns heute, bessere Entscheidungen zu treffen.

Das andere beschreibt, wohin wir langfristig wollen.


Fazit

Schadschwellenorientiertes Varroamanagement bedeutet nicht einfach, weniger zu tun.

Es bedeutet, genauer hinzusehen.

Messen → Verstehen → Entscheiden → Kontrollieren

Für erfahrene Imker kann das ein äußerst wirkungsvolles Werkzeug sein.

Für Anfänger ist der Einstieg dagegen oft schwierig, weil Messmethoden, Schwellenwerte, Jahreszeit und Entscheidungen gleichzeitig verstanden werden müssen.

Genau dort möchten wir mit bee-pilot.io unterstützen.

Wir möchten aus Messwerten verständliche Informationen machen und gleichzeitig dafür sorgen, dass wertvolle Beobachtungen nicht verloren gehen.

Denn dieselben Daten, die uns heute helfen, ein Volk richtig einzuschätzen, können uns morgen dabei helfen, Unterschiede zwischen unseren Völkern zu erkennen.

Und genau diese Unterschiede sind der Ausgangspunkt auf dem Weg zu varroaresistenteren Bienen.


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