Totale Brutentnahme
Brutscheunen nach der Totalen Brutentnahme (TBE) , Welche Möglichkeiten gibt es?
Möglichkeiten, Aufbau, Varroafenster und Weiterführung als Jungvolk
In 60 Sekunden
- Eine Brutscheune kann als Jungvolk, Reservevolk oder Kunstschwarm weitergeführt werden.
- Nach dem Auslaufen der Brut entsteht ein wertvolles brutfreies Varroafenster.
- Standort, Bienenmasse, Futterversorgung und Königinnenmanagement entscheiden über den Erfolg.
- Alternativ können die Brutwaben eingeschmolzen oder die Bienen später zum Verstärken genutzt werden.
Die Totale Brutentnahme, kurz TBE, ist eine wirksame biotechnische Maßnahme zur Reduzierung der Varroabelastung. Dabei werden dem Wirtschaftsvolk sämtliche Brutwaben entnommen. Ein großer Teil der Varroamilben befindet sich zu diesem Zeitpunkt in der verdeckelten Brut und wird zusammen mit den Brutwaben aus dem Wirtschaftsvolk entfernt.
Die entnommenen Brutwaben können eingeschmolzen oder in einer sogenannten Brutscheune beziehungsweise einem Sammelbrutableger zusammengeführt werden.
Aus unserer Sicht bei Bee Pilot ist die Brutscheune jedoch weit mehr als nur ein Sammelplatz für entnommene Brutwaben. Richtig aufgebaut und konsequent geführt, kann daraus ein starkes Jungvolk mit einer jungen Königin entstehen.
Gleichzeitig entsteht nach dem vollständigen Auslaufen der Brut ein kurzes, besonders wertvolles Zeitfenster ohne verdeckelte Brut. Dieses Zeitfenster kann gezielt zur Varroareduzierung genutzt werden, da Oxalsäure nur die Milben auf den erwachsenen Bienen erreicht, nicht jedoch die Milben in verdeckelten Brutzellen.
Für die weitere Nutzung einer Brutscheune gibt es verschiedene Möglichkeiten.
1. Die Brutscheune eine eigene Königin nachschaffen lassen
Für uns bei Bee Pilot ist dies in vielen Fällen die sinnvollste und nachhaltigste Form der Weiterführung.
Die Brutscheune bleibt nach ihrer Bildung zunächst ohne Königin. Befinden sich auf den eingebrachten Brutwaben noch Eier oder ausreichend junge, zur Nachschaffung geeignete Larven, können die Bienen daraus Nachschaffungszellen anlegen und eine neue Königin aufziehen.
Nach dem Schlupf muss die junge Königin ihren Begattungsflug erfolgreich absolvieren. Anschließend beginnt sie mit der Eiablage und aus der bisherigen Brutscheune entwickelt sich ein eigenständiges Jungvolk.
Voraussetzungen
Damit diese Methode zuverlässig funktionieren kann, sollten mehrere Bedingungen erfüllt sein:
- Auf mindestens einer Wabe müssen geeignete junge Larven oder Eier vorhanden sein.
- Es müssen genügend Bienen auf den Brutwaben verbleiben.
- Die Brutscheune muss ausreichend stark sein, um die große Brutmenge zu pflegen.
- Die Futterversorgung muss jederzeit gesichert sein.
- In der Umgebung müssen noch ausreichend geschlechtsreife Drohnen vorhanden sein.
- Für die Begattung sollte noch genügend Zeit vor dem Herbst verbleiben.
Vorteile
- Es entsteht ohne Zukauf einer Königin ein neues Volk.
- Die entnommenen Brutwaben und die daraus schlüpfenden Bienen werden vollständig genutzt.
- Die Brutscheune erhält eine junge Königin.
- Die natürliche Brutpause kann zur gezielten Varroareduzierung genutzt werden.
- Das neue Volk kann später als Wirtschaftsvolk, Reservevolk oder zur Verstärkung anderer Einheiten dienen.
- Es entstehen keine unmittelbaren Kosten für eine begattete Königin.
Nachteile
- Die Qualität der nachgeschafften Königin kann nicht sicher vorhergesagt werden.
- Die Genetik stammt aus dem Volk, auf dessen Wabe die Königin nachgeschafft wurde.
- Die Nachschaffung kann misslingen.
- Die junge Königin kann beim Begattungsflug verloren gehen.
- Schlechtes Wetter oder ein Mangel an Drohnen können den Begattungserfolg beeinträchtigen.
- Bis zur erneuten Eiablage vergeht vergleichsweise viel Zeit.
- Bei einem späten TBE-Termin kann die verbleibende Entwicklungszeit für das neue Volk knapp werden.
Wichtig: Nicht zu früh kontrollieren
Eine junge Königin benötigt Zeit zum Schlupf, zur Geschlechtsreife, für ihre Begattungsflüge und bis zum Beginn der Eiablage. Zu häufige oder zu frühe Eingriffe können Unruhe verursachen und erhöhen das Risiko, die junge Königin zu beschädigen oder ihren Begattungsverlauf zu stören.
Nach einem angemessenen Zeitraum sollte kontrolliert werden, ob Stifte und junge Brut vorhanden sind. Bleibt die Brutscheune weisellos, muss rechtzeitig entschieden werden, ob eine Königin zugesetzt, eine Weiselprobe durchgeführt oder die Einheit aufgelöst wird.
2. Eine schlupfreife Weiselzelle zusetzen
Statt die Bienen aus frei gewählten Larven nachschaffen zu lassen, kann eine schlupfreife Weiselzelle aus einer ausgewählten Zuchtlinie zugesetzt werden.
Vor dem Zusetzen müssen vorhandene Nachschaffungszellen sorgfältig entfernt werden. Andernfalls können die Bienen ihre eigenen Zellen bevorzugen oder es können mehrere Königinnen schlüpfen.
Vorteile
- Die mütterliche Abstammung der neuen Königin ist bekannt.
- Die gewünschte Genetik kann gezielter ausgewählt werden.
- Eine schlupfreife Weiselzelle ist meist günstiger als eine begattete Königin.
- Der zeitliche Vorsprung gegenüber einer frisch angelegten Nachschaffungszelle kann mehrere Tage betragen.
- Die natürliche Brutpause bleibt weitgehend erhalten.
Nachteile
- Die Königin muss sich weiterhin erfolgreich begatten.
- Das Begattungsrisiko bleibt bestehen.
- Die väterliche Abstammung ist bei einer freien Begattung nicht kontrollierbar.
- Die Weiselzelle kann beim Transport oder Einsetzen beschädigt werden.
- Bereits vorhandene Nachschaffungszellen müssen zuverlässig gefunden und entfernt werden.
Diese Variante eignet sich besonders für Imker, die gezielt von ausgewählten Völkern nachziehen möchten, aber keine begattete Königin einsetzen wollen.
3. Eine unbegattete Königin zusetzen
Auch eine bereits geschlüpfte, aber noch unbegattete Königin kann zugesetzt werden. In der Praxis ist diese Möglichkeit allerdings anspruchsvoller als das Zusetzen einer schlupfreifen Weiselzelle oder einer begatteten Königin.
Vorteile
- Die mütterliche Abstammung ist bekannt.
- Die Königin muss nicht mehr in der Brutscheune schlüpfen.
- Die Methode kann einen kleinen zeitlichen Vorsprung bringen.
- Unbegattete Königinnen sind günstiger als begattete Königinnen.
Nachteile
- Die Annahme einer unbegatteten Königin kann unsicher sein.
- Sie muss noch Begattungsflüge durchführen.
- Das Verlustrisiko bei der Begattung bleibt bestehen.
- Die Brutscheune darf keine eigene Königin und möglichst keine konkurrierenden Nachschaffungszellen besitzen.
- Das richtige Timing beim Zusetzen ist entscheidend.
Diese Methode ist eher für erfahrene Imker geeignet, die den Zustand der Brutscheune sicher beurteilen können.
4. Eine begattete Königin zusetzen
Soll sich die Brutscheune möglichst schnell und planbar zu einem neuen Volk entwickeln, kann eine begattete Königin zugesetzt werden.
Vorher muss zweifelsfrei geklärt sein, dass sich keine Königin in der Brutscheune befindet. Sämtliche Nachschaffungszellen müssen entfernt werden. Die neue Königin wird üblicherweise geschützt im Zusetzkäfig eingeweiselt.
Vorteile
- Der Brutbeginn erfolgt deutlich schneller.
- Das Begattungsrisiko entfällt.
- Die Genetik kann gezielt ausgewählt werden.
- Die Entwicklung des neuen Volkes ist besser planbar.
- Diese Möglichkeit eignet sich besonders bei einem späten TBE-Termin.
- Eine wertvolle Zuchtkönigin kann gezielt eingeweiselt werden.
Nachteile
- Eine begattete Königin verursacht zusätzliche Kosten.
- Die Annahme ist nicht garantiert.
- Bei vorhandenen Nachschaffungszellen oder einer übersehenen Königin besteht ein hohes Verlustrisiko.
- Durch den schnellen Beginn der Eiablage wird das Zeitfenster vollständiger Brutfreiheit kürzer.
- Varroabehandlung und Einweiselung müssen zeitlich sorgfältig aufeinander abgestimmt werden.
Wer eine begattete Königin zusetzen möchte, sollte deshalb die Reihenfolge von Brutfreiheit, Varroabehandlung und Einweiselung vorab genau planen.
5. Die Brutscheune in mehrere Jungvölker aufteilen
Eine ausreichend starke Brutscheune kann nach dem Schlupf eines großen Teils der Brut in mehrere Einheiten aufgeteilt werden.
Jede Einheit benötigt anschließend entweder:
- eine eigene Nachschaffungsmöglichkeit,
- eine schlupfreife Weiselzelle,
- eine unbegattete Königin oder
- eine begattete Königin.
Vorteile
- Aus einer großen Brutscheune können mehrere Jungvölker entstehen.
- Die Vermehrungsquote der Imkerei steigt.
- Unterschiedliche Königinnen oder Zuchtlinien können eingesetzt werden.
- Reservevölker können für spätere Ausfälle aufgebaut werden.
- Überschüssige Bienenmasse wird sinnvoll genutzt.
Nachteile
- Der Materialbedarf steigt erheblich.
- Jede Einheit benötigt ausreichend Bienen, Futter und eine sichere Königinnenversorgung.
- Zu kleine Einheiten entwickeln sich möglicherweise nicht stark genug für den Winter.
- Die Varroabelastung muss in jeder Einheit kontrolliert werden.
- Der Arbeits- und Kontrollaufwand steigt deutlich.
- Bei später Bildung kann die Zeit zur Einwinterung zu knapp werden.
Eine Aufteilung ist daher nur sinnvoll, wenn die Brutscheune tatsächlich genügend Bienenmasse hervorbringt und noch ausreichend Entwicklungszeit vorhanden ist.
6. Die Brutscheune als Reservevolk führen
Nicht jede Brutscheune muss später zu einem regulären Wirtschaftsvolk werden. Sie kann auch gezielt als Reserveeinheit geführt werden.
Ein solches Reservevolk kann später genutzt werden, um:
- ein weiselloses Volk zu retten,
- eine ausgefallene Königin zu ersetzen,
- ein schwaches Volk zu verstärken,
- zwei schwächere Einheiten zu vereinigen,
- eine junge Königin für die Umweiselung bereitzuhalten oder
- Völkerverluste auszugleichen.
Vorteile
- Die Imkerei gewinnt zusätzliche betriebliche Sicherheit.
- Königinnenprobleme können kurzfristig gelöst werden.
- Schwache Völker können vor der Einwinterung verstärkt werden.
- Eine junge Königin steht als Reserve zur Verfügung.
Nachteile
- Auch ein Reservevolk benötigt Beute, Futter, Betreuung und Varroakontrolle.
- Es bindet Material und einen Standplatz.
- Wird es nicht benötigt, muss später erneut über seine Verwendung entschieden werden.
Gerade in größeren Imkereien kann ein gut entwickeltes Reservevolk deutlich wertvoller sein als der unmittelbare Verkauf oder das vorschnelle Auflösen der Einheit.
7. Die Brutscheune nach dem Auslaufen der Brut auflösen
Wer keine zusätzlichen Völker benötigt, kann die Brutscheune nach dem Auslaufen der Brut wieder auflösen.
Die geschlüpften Bienen können zur Verstärkung von Jungvölkern, Ablegern oder schwächeren Wirtschaftsvölkern verwendet werden. Vor einer Vereinigung muss geklärt sein, ob eine Königin vorhanden ist und welche Königin erhalten bleiben soll.
Mögliche Verwendungen der Bienen
- Verstärkung eines schwachen Jungvolkes
- Verstärkung eines Ablegers
- Vereinigung mit einem Reservevolk
- Bildung eines Kunstschwarms
- Unterstützung eines spät gebildeten Volkes
- Vereinigung mit einem Wirtschaftsvolk nach Ende der Honigernte
Vorteile
- Es entsteht kein zusätzliches Volk, das dauerhaft geführt werden muss.
- Die geschlüpften Bienen werden trotzdem genutzt.
- Schwache Einheiten können gezielt verstärkt werden.
- Beutenmaterial wird nach vergleichsweise kurzer Zeit wieder frei.
- Die alten Brutwaben können anschließend ausgeschmolzen werden.
Nachteile
- Das Potenzial für ein neues Volk bleibt ungenutzt.
- Das Auflösen und Verteilen verursacht zusätzlichen Arbeitsaufwand.
- Bei unkontrollierter Vereinigung können Königinnenverluste entstehen.
- Varroamilben können mit den Bienen in andere Völker eingetragen werden.
- Vor dem Verteilen muss deshalb die Varroasituation geklärt und gegebenenfalls behandelt werden.
8. Aus den Bienen einen Kunstschwarm bilden
Nach dem Auslaufen der Brut können die Bienen von den alten Brutwaben getrennt und als Kunstschwarm auf neuen Wabenbau gesetzt werden.
Dem Kunstschwarm wird eine Königin zugesetzt. Anschließend wird er gefüttert und baut einen vollständig neuen Wabenbestand auf.
Vorteile
- Vollständige Wabenerneuerung
- Sauberer Neustart auf neuen Mittelwänden oder Anfangsstreifen
- Gute Möglichkeit zur Einweiselung einer ausgewählten Königin
- Brutfreie Bienen können vor dem Neubeginn gezielt entmilbt werden
- Alte, dunkle oder belastete Brutwaben können eingeschmolzen werden
Nachteile
- Hoher Arbeits- und Materialaufwand
- Zusätzliche Königin erforderlich
- Ausreichende Fütterung notwendig
- Der Kunstschwarm muss noch genügend Zeit zum Wabenbau und zur Volksentwicklung haben
- Bei zu später Bildung kann die Einwinterungsstärke problematisch werden
Diese Variante verbindet die Nutzung der geschlüpften Bienen mit einer vollständigen Bauerneuerung.
9. Die Brutwaben direkt einschmelzen
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, auf die Bildung einer Brutscheune vollständig zu verzichten und die entnommenen Brutwaben direkt zu vernichten beziehungsweise einzuschmelzen.
Diese Vorgehensweise reduziert die Gefahr, dass die in der entnommenen Brut befindlichen Milben später wieder in lebende Völker gelangen.
Vorteile
- Sehr klare Unterbrechung der Varroavermehrung
- Keine weitere Betreuung der Brutwaben erforderlich
- Kein Risiko einer späteren Reinvasion aus der Brutscheune
- Konsequente Entfernung alter oder dunkler Waben
- Geringeres Risiko der Weiterverbreitung von Brutkrankheiten
- Keine zusätzliche Königin erforderlich
Nachteile
- Die gesamte Brut geht verloren.
- Es entsteht kein zusätzliches Volk.
- Die potenziell schlüpfende Bienenmasse wird nicht genutzt.
- Das Einschmelzen großer Mengen Brutwaben ist arbeitsintensiv.
- Der Verlust an Brut und Wachs kann wirtschaftlich erheblich sein.
Diese Variante kann besonders bei krankheitsverdächtigen, stark verschmutzten oder sehr alten Brutwaben sinnvoll sein. Bei Verdacht auf eine anzeigepflichtige Bienenseuche müssen jedoch die zuständigen Behörden beziehungsweise die Bienensachverständigen einbezogen werden.
# Die Brutscheune richtig aufbauen
Unabhängig von der später gewählten Nutzung entscheidet bereits der Aufbau über den Erfolg.
Ausreichend Bienen auf den Waben belassen
Die entnommenen Brutwaben dürfen nicht vollkommen bienenfrei in die Brutscheune gehängt werden. Es müssen ausreichend Pflegebienen vorhanden sein, um offene Brut zu versorgen und die Temperatur der Brutflächen zu halten.
Wie viele Bienen tatsächlich benötigt werden, hängt von der Menge und dem Zustand der Brut, der Witterung sowie der Größe der Brutscheune ab. Große Mengen offener Brut benötigen besonders viele Pflegebienen.
Nur gesunde Brutwaben verwenden
Brutwaben mit auffälliger, lückenhafter, eingesunkener oder übel riechender Brut gehören nicht ungeprüft in eine gemeinsame Brutscheune.
Durch das Zusammenführen von Brutwaben verschiedener Völker können auch Krankheitserreger zwischen den Völkern zusammengebracht werden. Verdächtige Brutbilder müssen deshalb vorab abgeklärt werden.
Die Brutscheune nicht zu groß bilden
Eine einzige extrem große Brutscheune ist nicht automatisch besser. Entscheidend ist, dass die Bienen sämtliche Brutwaben vollständig besetzen, wärmen und versorgen können.
Bei sehr großen Mengen kann es sinnvoller sein, mehrere Brutscheunen zu bilden. Zu schwache Einheiten sind ebenfalls problematisch, weil sie die Brut nicht ausreichend pflegen und später möglicherweise kein überwinterungsfähiges Volk bilden können.
Flugloch anpassen
Das Flugloch sollte zunächst der Volksstärke angepasst und eher klein gehalten werden. Brutscheunen enthalten viele Brutwaben und Futter, besitzen anfangs aber möglicherweise nur wenige orientierte Flugbienen. Dadurch können sie besonders in trachtarmer Zeit räubereigefährdet sein.
Bei bestimmten Behandlungsverfahren können jedoch andere Anforderungen an die Fluglochöffnung gelten. Maßgeblich sind deshalb immer die Vorgaben des verwendeten Tierarzneimittels und des jeweiligen Behandlungssystems.
# Warum die Brutscheune an einen anderen Stand gehört
Aus unserer Sicht bei Bee Pilot sollte eine Brutscheune möglichst an einen anderen Bienenstand gebracht werden ,idealerweise außerhalb des bisherigen Flugkreises.
Dafür gibt es mehrere wichtige Gründe.
Weniger Rückflug zum Muttervolk
Bleibt die Brutscheune am bisherigen Stand, fliegen viele ältere Bienen an den Standort ihres ursprünglichen Volkes zurück.
Dadurch verliert die Brutscheune einen erheblichen Teil ihrer Bienenmasse. Besonders kritisch ist das, wenn große offene Brutflächen gepflegt oder hochwertige Königinnenzellen versorgt werden müssen.
Die jungen Stock- und Pflegebienen orientieren sich zwar erst später ein, dennoch sollte die Brutscheune von Beginn an über eine ausreichende Bienenmasse verfügen.
Bessere Pflege der Brut und der Königinnenzellen
Je mehr geeignete Pflegebienen in der Brutscheune verbleiben, desto zuverlässiger können die Brutflächen versorgt und Königinnenzellen gepflegt werden.
Gerade bei der Nachschaffung ist nicht nur entscheidend, dass eine Königin entsteht. Entscheidend ist auch, dass die ausgewählte Larve von Anfang an gut versorgt wird.
Geringeres Risiko der Varroareinvasion
In der Brutscheune befindet sich zunächst ein erheblicher Anteil der aus den Wirtschaftsvölkern entnommenen Varroamilben. Beim Schlupf der Bienen verlassen auch die Milben die Brutzellen und sitzen anschließend auf den erwachsenen Bienen.
Verfliegen sich solche Bienen in bereits behandelte Wirtschaftsvölker oder kehren dorthin zurück, können sie Milben erneut eintragen. Ein räumlich getrennter Stand kann dieses Risiko verringern, auch wenn eine Reinvasion dadurch nicht vollständig ausgeschlossen wird.
Weniger Verflug zwischen mehreren Einheiten
Werden mehrere Brutscheunen an einem Stand aufgestellt, sollten die Beuten möglichst deutlich unterscheidbar und nicht eng in einer geraden Reihe angeordnet werden. Unterschiedliche Ausrichtung, Abstände und optische Merkmale können den Verflug reduzieren.
# Futterversorgung: Einer der wichtigsten Punkte
Eine Brutscheune kann trotz großer Bienen- und Brutmasse nur geringe Futtervorräte besitzen. Gleichzeitig müssen bis zum vollständigen Auslaufen der Brut große Mengen Larven versorgt werden.
Besonders in trachtarmer Zeit kann der Futterverbrauch erheblich sein.
Deshalb sollten die Vorräte von Beginn an kontrolliert werden. Die Brutscheune darf zu keinem Zeitpunkt in Futternot geraten.
Was bei der Fütterung zu beachten ist
- Futtervorräte bereits beim Aufbau prüfen.
- Möglichst vorhandene, gesunde Futterwaben mitgeben.
- Bei Bedarf frühzeitig und angepasst füttern.
- Keine großen Futtermengen offen verschütten.
- Flugloch klein und verteidigungsfähig halten.
- Verschüttetes Futter sofort entfernen.
- Räubereistimmung am Stand beobachten.
- Genügend freie Zellen für eine später legende Königin erhalten.
Eine übermäßige Fütterung kann allerdings ebenfalls nachteilig sein. Werden alle frei werdenden Zellen mit Futter belegt, fehlt der jungen oder zugesetzten Königin später Platz zur Eiablage.
# Pollen- und Eiweißversorgung
Neben Kohlenhydraten benötigen die Pflegebienen ausreichend Pollen beziehungsweise Eiweiß, um offene Brut und Königinnenlarven versorgen zu können.
In pollenarmen Regionen oder längeren Trachtlücken sollte deshalb nicht nur der Futtervorrat, sondern auch die Pollenversorgung beurteilt werden.
Eine Brutscheune mit großen offenen Brutflächen, aber ohne ausreichende Pollenreserven kann die Brut nicht optimal pflegen. Ob eine zusätzliche Eiweißfütterung sinnvoll ist, muss von der regionalen Versorgungslage, der Volksstärke und dem gesundheitlichen Zustand der Völker abhängig gemacht werden.
# Das entscheidende Varroafenster nach dem Auslaufen der Brut
Der größte Teil der Varroamilben befindet sich während der Brutphase in verdeckelten Brutzellen. Nach dem Auslaufen sämtlicher Arbeiterinnen- und Drohnenbrut sitzen die Milben vorübergehend auf den erwachsenen Bienen.
Genau dann besteht ein besonders günstiges Behandlungsfenster.
Oxalsäure wirkt nicht zuverlässig in verdeckelte Brut hinein. Sie sollte deshalb gezielt in einer tatsächlich brutfreien Phase eingesetzt werden.
Wann ist die Brutscheune wirklich brutfrei?
Arbeiterinnenbrut benötigt vom Ei bis zum Schlupf ungefähr 21 Tage. Drohnenbrut benötigt länger. Befindet sich bei der Bildung der Brutscheune verdeckelte Drohnenbrut auf den Waben, kann diese deshalb noch nach dem Schlupf der letzten Arbeiterinnenbrut vorhanden sein.
Eine Behandlung sollte daher nicht nur nach dem Kalender erfolgen. Entscheidend ist die tatsächliche Kontrolle der Waben.
Brutfrei bedeutet:
- keine verdeckelte Arbeiterinnenbrut,
- keine verdeckelte Drohnenbrut und
- noch keine erneut verdeckelte Brut der jungen oder zugesetzten Königin.
So arbeiten wir bei Bee Pilot
Bei Bee Pilot lassen wir die Brutscheune in der Regel selbst eine Königin nachschaffen und führen sie anschließend als eigenständiges Volk weiter.
Wenn möglich, bringen wir die Brutscheune an einen anderen Standplatz. Dadurch bleiben mehr Pflegebienen in der Einheit und das Risiko eines Rückfluges sowie eines Milbeneintrags in die bereits sanierten Wirtschaftsvölker wird reduziert.
Nach dem vollständigen Auslaufen der alten Brut nutzen wir das brutfreie Zeitfenster konsequent zur Varroareduzierung.
In unserer betrieblichen Praxis behandeln wir die brutfreie Brutscheune zweimal im Abstand von drei Tagen mit Oxalsäure, bevor die erste Brut der jungen Königin verdeckelt wird. Mit diesem Vorgehen haben wir über viele Jahre gute Erfahrungen gemacht.
Dabei ist jedoch wichtig: Oxalsäurepräparate dürfen ausschließlich entsprechend ihrer aktuellen Zulassung, der Packungsbeilage und der jeweils zugelassenen Applikationsform angewendet werden. Nicht jede Anwendungsform darf beliebig wiederholt werden. Insbesondere eine Träufelbehandlung ist nicht automatisch für eine mehrmalige Anwendung geeignet. Die konkrete Anwendung muss deshalb immer anhand des eingesetzten Tierarzneimittels geprüft werden.
# Erfolgskontrolle nach der Behandlung
Die Behandlung sollte nicht als automatisch erfolgreich betrachtet werden. Nach der Maßnahme ist eine Befallskontrolle sinnvoll.
Mögliche Kontrollmethoden sind:
- Kontrolle des natürlichen Milbenfalls über die Bodeneinlage
- Auswaschprobe
- Puderzuckermethode
- Kontrolle auf Bienen mit sichtbaren Varroamilben
- Beobachtung auf verkrüppelte Flügel oder andere Virussymptome
Bei auffällig hoher Restbelastung muss das weitere Vorgehen anhand des zugelassenen Behandlungskonzeptes und des Entwicklungszustandes des Volkes festgelegt werden.
# Typische Fehler bei Brutscheunen
Zu wenige Bienen auf den Brutwaben
Werden die Brutwaben nahezu bienenfrei entnommen, können große Brutflächen auskühlen oder unzureichend versorgt werden.
Brutscheune am alten Standort belassen
Ein erheblicher Teil der Flugbienen kann in die Muttervölker zurückkehren. Die Brutscheune verliert dadurch an Stärke.
Futterversorgung unterschätzen
Große Brutflächen verbrauchen viel Futter. Futtermangel kann innerhalb kurzer Zeit zu Brutverlusten und einer schlechten Volksentwicklung führen.
Räubereigefahr ignorieren
Schwache Fluglochverteidigung, offene Fütterung oder verschüttetes Futter können Räuberei auslösen.
Nachschaffungsmöglichkeit nicht kontrollieren
Sind keine jungen Larven vorhanden, kann die Brutscheune keine eigene Königin nachziehen.
Zu früh von Weiselrichtigkeit ausgehen
Eine geschlüpfte Königin ist noch keine begattete und legende Königin. Erst Stifte beziehungsweise junge Arbeiterinnenbrut bestätigen den erfolgreichen Aufbau.
Brutfreiheit nur berechnen, aber nicht kontrollieren
Drohnenbrut kann länger verdeckelt bleiben. Außerdem kann eine junge oder zugesetzte Königin bereits neue Brut angelegt haben.
Varroabehandlung zu spät durchführen
Ist die erste neue Brut bereits verdeckelt, können sich Milben erneut in den Zellen befinden und werden von Oxalsäure nicht ausreichend erreicht.
Einheit zu spät im Jahr bilden
Je später die Brutscheune gebildet wird, desto weniger Zeit bleibt für Begattung, Brutaufbau, Fütterung und Einwinterung.
Zu viele kleine Einheiten bilden
Mehrere schwache Einheiten sind nicht automatisch wertvoller als ein starkes, überwinterungsfähiges Jungvolk.
# Entscheidungshilfe: Welche Variante passt zu welchem Ziel?
Ziel: Ein zusätzliches Volk ohne Königinnenkauf
Die Brutscheune selbst nachschaffen lassen.
Geeignet, wenn:
- genügend Zeit vorhanden ist,
- geeignete junge Brut vorhanden ist,
- ausreichend Drohnen fliegen und
- das Risiko einer freien Begattung akzeptiert wird.
Ziel: Gezielte Genetik bei überschaubaren Kosten
Eine schlupfreife Weiselzelle zusetzen.
Geeignet, wenn:
- eine ausgewählte Zuchtlinie genutzt werden soll,
- der Begattungserfolg aber weiterhin vom Standort abhängen darf.
Ziel: Schneller und planbarer Aufbau
Eine begattete Königin zusetzen.
Geeignet, wenn:
- der Termin bereits fortgeschritten ist,
- eine bestimmte Genetik gewünscht wird oder
- das Begattungsrisiko vermieden werden soll.
Ziel: Möglichst viele Jungvölker
Eine starke Brutscheune in mehrere Einheiten aufteilen.
Geeignet, wenn:
- sehr viel Bienenmasse vorhanden ist,
- genügend Material und Königinnen zur Verfügung stehen und
- noch ausreichend Entwicklungszeit verbleibt.
Ziel: Reserve für Königinnenverluste
Die Brutscheune als eigenständiges Reservevolk weiterführen.
Geeignet, wenn:
- betriebliche Sicherheit wichtiger ist als eine sofortige Nutzung als Wirtschaftsvolk.
Ziel: Keine zusätzlichen Völker
Die Brutscheune nach dem Auslaufen der Brut auflösen und die Bienen gezielt verteilen.
Geeignet, wenn:
- bestehende Jungvölker verstärkt werden sollen,
- aber kein weiteres Volk überwintert werden soll.
Ziel: Vollständige Bauerneuerung
Nach dem Auslaufen der Brut einen Kunstschwarm bilden.
Geeignet, wenn:
- neue Waben aufgebaut werden sollen,
- eine Königin vorhanden ist und
- noch genügend Zeit zur Entwicklung bleibt.
Ziel: Maximale hygienische Trennung
Die Brutwaben einschmelzen.
Geeignet, wenn:
- keine Vermehrung gewünscht ist,
- alte oder verdächtige Waben entfernt werden sollen oder
- die Verwertung der Brut nicht zum Betriebskonzept passt.
# Ja, die TBE mit Brutscheunen ist eine Materialschlacht
Eine TBE mit konsequenter Brutverwertung benötigt erheblich mehr Material als eine einfache Behandlung im bestehenden Volk.
Benötigt werden je nach Betriebsweise:
- zusätzliche Beuten,
- Böden und Deckel,
- Rähmchen,
- Futtergeschirre,
- Absperrgitter,
- Transportmöglichkeiten,
- zusätzliche Standplätze,
- gegebenenfalls Königinnen oder Weiselzellen und
- Zeit für Kontrollen, Fütterung und Varroamanagement.
Während der Durchführung entsteht deshalb schnell eine regelrechte Materialschlacht.
Aus unserer Sicht bei Bee Pilot lohnt sich dieser Aufwand dennoch. Die Wirtschaftsvölker werden durch die Brutentnahme deutlich von Varroamilben entlastet. Gleichzeitig kann aus der entnommenen Brut ein neues Volk mit einer jungen Königin entstehen.
Der Materialaufwand ist deshalb nicht nur zusätzlicher Ballast. Die eingesetzten Beuten und Rähmchen werden in Form neuer Jung- oder Reservevölker genutzt und können den Völkerbestand langfristig absichern.
# Fazit
Eine Brutscheune ist kein bloßes Nebenprodukt der Totalen Brutentnahme. Sie kann zu einem wertvollen Bestandteil der gesamten Betriebsweise werden.
Grundsätzlich bestehen mehrere Möglichkeiten:
- selbst eine Königin nachschaffen lassen,
- eine Weiselzelle zusetzen,
- eine unbegattete Königin zusetzen,
- eine begattete Königin zusetzen,
- die Brutscheune aufteilen,
- sie als Reservevolk führen,
- die Bienen später zum Verstärken verwenden,
- einen Kunstschwarm bilden oder
- die entnommenen Brutwaben konsequent einschmelzen.
Für uns bei Bee Pilot hat sich vor allem die Weiterführung als eigenständiges Volk mit nachgeschaffter Königin bewährt.
Die Kombination aus einem getrennten Standplatz, ausreichend Pflegebienen, sicherer Futterversorgung, erfolgreicher Nachschaffung und konsequenter Nutzung der brutfreien Phase bietet aus unserer Sicht die größten Vorteile.
Der Aufwand ist hoch und die benötigte Materialmenge darf nicht unterschätzt werden. Dennoch lohnt sich der Stress unserer Erfahrung nach: Die Wirtschaftsvölker werden entlastet, die entnommene Brut wird sinnvoll genutzt und gleichzeitig entstehen junge Völker mit guten Entwicklungsmöglichkeiten.
Entscheidend ist, die Brutscheune nicht einfach sich selbst zu überlassen. Sie muss genauso geplant, kontrolliert und geführt werden wie jedes andere Bienenvolk.
Brutscheunen, Behandlungen und Volksentwicklung digital dokumentieren