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Das Gedächtnis des Imkers ist schlechter, als er denkt

Imker in Imkerjacke führt eine Durchsicht an einer Magazinbeute durch

Durchsichten dokumentieren

Warum Erinnerung allein nicht ausreicht, um Bienenvölker wirklich zu kennen

Eigentlich kennen wir unsere Bienenvölker ziemlich gut.

Wir wissen, welches Volk im Frühjahr als Erstes richtig losgelegt hat. Wir erinnern uns an den Schwarm, der natürlich genau an dem Tag gefallen ist, an dem wir keine Zeit hatten. Und wir wissen ganz sicher, welches Volk letztes Jahr unser bestes war.

Oder?

Machen wir einen kleinen Test.

Welche Königin war letztes Jahr in Volk 7?

„Die blaue … glaube ich.“

Wann wurde sie eingeweiselt?

„Letztes Jahr irgendwann.“

Wie war der Varroabefall im Juli?

„Nicht besonders hoch.“

Wie viel Honig hat das Volk gebracht?

„Ziemlich viel.“

Und plötzlich merkt man: Wir wissen noch erstaunlich viel – aber erstaunlich wenig davon wirklich genau.

Unser Gedächtnis liebt Geschichten

Der riesige Schwarm im Apfelbaum bleibt hängen.

Die Königin, die man eine halbe Stunde gesucht hat und die am Ende seelenruhig über die erste Wabe lief, ebenfalls.

Auch ein ungewöhnlich aggressives Volk vergessen wir nicht so schnell.

Aber was ist mit einer ganz normalen Durchsicht an einem Dienstag im Mai?

Sechs Brutwaben. Königin gesehen. Erste Spielnäpfchen. Volk stark. Honigraum gut angenommen.

Vier Monate später ist davon im Kopf meistens nicht mehr viel übrig.

Und nach zwei Jahren?

Viel Glück.

Das ist kein Problem des Imkers. So funktioniert unser Gedächtnis. Auffällige Ereignisse bleiben hängen, viele kleine Informationen verschwimmen.

Aus „Ich weiß es“ wird schnell „Ich glaube“

Besonders interessant wird es, wenn wir Völker über längere Zeit beurteilen.

„Das ist eine richtig gute Königin.“

Warum eigentlich?

Weil ihr Volk dieses Jahr viel Honig gebracht hat?

War es auch sanftmütig? Wie war der Schwarmtrieb? Wie stark ist es aus dem Winter gekommen? Wie entwickelte sich die Varroabelastung? Und wie sah das Ganze im vergangenen Jahr aus?

Plötzlich wird aus einer einfachen Aussage eine ziemlich komplexe Frage.

Bei zehn, zwanzig oder fünfzig Völkern wird es praktisch unmöglich, all diese Entwicklungen im Kopf zu behalten.

Und trotzdem treffen wir viele Entscheidungen genau auf dieser Grundlage: unserer Erinnerung.

Dabei liegen die interessanten Dinge oft zwischen den einzelnen Durchsichten

Eine einzelne Durchsicht ist eine Momentaufnahme.

Spannend wird es, wenn aus vielen Momentaufnahmen ein Verlauf entsteht.

Ein Varroawert allein sagt etwas aus. Mehrere Messungen über Wochen erzählen eine Geschichte.

Das Gleiche gilt für Volksstärke, Brutentwicklung, Honigertrag, Futtervorrat, Schwarmstimmung oder die Entwicklung einer Königin.

Erst im Verlauf erkennt man manchmal:

Da verändert sich etwas.

Und genau solche Veränderungen sind aus dem Gedächtnis besonders schwer zu erkennen.

Vom Aufschreiben zum Verstehen

Früher war die Stockkarte vor allem eines: das Gedächtnis neben dem Bienenvolk.

Und diese Aufgabe ist heute noch genauso wichtig.

Digitale Systeme können inzwischen aber einen Schritt weitergehen.

Wenn Daten strukturiert vorliegen, lassen sie sich vergleichen und miteinander verknüpfen. Entwicklungen können sichtbar werden, Auffälligkeiten lassen sich früher erkennen und aus vergangenen Beobachtungen können Hinweise für die nächsten Entscheidungen entstehen.

Genau diesen Ansatz verfolgen wir mit Bee-Pilot.

Eine Durchsicht soll dabei nicht zur Datenerfassungsschlacht werden. Die Informationen entstehen ohnehin bei der Arbeit am Volk: Königin, Brut, Volksstärke, Schwarmstimmung, Varroa, Behandlung, Futter, Honig oder eine kurze Beobachtung.

Bee-Pilot führt diese Informationen zusammen und betrachtet sie nicht nur einzeln, sondern im zeitlichen Zusammenhang.

So kann aus vielen kleinen Beobachtungen nach und nach ein Bild entstehen.

Und dann wird es richtig interessant

Denn irgendwann geht es nicht mehr nur um die Frage:

„Was habe ich damals eingetragen?“

Sondern zum Beispiel:

„Wie entwickelt sich dieses Volk im Vergleich zu den anderen?“

„Gibt es eine Auffälligkeit, auf die ich achten sollte?“

„Wie verändert sich der Futtervorrat?“

„Wie entwickelt sich die Varroabelastung?“

„Welche meiner Königinnen zeigen über längere Zeit die Eigenschaften, die mir wichtig sind?“

Hier kann Bee-Pilot Daten auswerten, Entwicklungen und Trends sichtbar machen und daraus Hinweise, Prognosen und Empfehlungen ableiten.

Nicht als Ersatz für den Blick ins Volk.

Sondern als zusätzliche Information für den Imker, bevor er seine Entscheidung trifft.

Denn Erfahrung ist mehr als Erinnerung

Vielleicht liegt genau hier die eigentliche Chance der Digitalisierung in der Imkerei.

Wir müssen nicht mehr versuchen, uns alles zu merken.

Wir können unsere Beobachtungen festhalten und später Zusammenhänge erkennen, die im Alltag leicht verloren gehen.

Der Imker bringt seine Erfahrung mit.

Das Bienenvolk liefert jeden Tag neue Informationen.

Und Bee-Pilot hilft dabei, aus diesen Informationen mehr zu machen.

Denn unser Gedächtnis ist ziemlich gut.

Aber unsere Bienen erzählen uns über ein ganzes Jahr mehr, als wir uns jemals merken können.


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